Suchergebnisse für ‘CDU’

Geschlechtsspezifische Gewalt, Publikum im Studio, Neues Dashboard

1. AfD nicht mehr im MDR-Rundfunkrat
(deutschlandfunk.de, Alexander Moritz)
Die AfD sehe sich als Opfer einer “Intrige”, die anderen Parteien sprächen von einer Stärkung der Opposition: Am Freitag hat der sächsische Landtag drei Mitglieder des neuen MDR-Rundfunkrats gewählt. Entsandt werden je ein Abgeordneter der Regierungsparteien CDU und SPD sowie eine Vertreterin der Linken. Die AfD als zahlenmäßig größte Oppositionskraft ging leer aus und wittert finstere Absichten – man prüfe eine Klage.

2. Warum wir unser Corona-Dashboard überarbeitet haben
(blog.zeit.de, Christian Endt)
“Zeit Online” bietet bereits seit Längerem eine umfangreiche Coronavirus-Karte für Deutschland mit vielen Zusatzinformationen an, die auf den Daten von 400 Kreisen basiert und täglich aktualisiert wird. Nun haben die Macherinnen und Macher des komplexen Datenwerks einige Änderungen vorgenommen und unter anderem einen neuen Wert hinzugefügt: die Hospitalisierungsinzidenz. In einem Blogbeitrag erklärt “Senior Data Analyst” Christian Endt, welche Änderungen sonst noch vorgenommen wurden, und schreibt über die Beweggründe dahinter.

3. Geschlechtsspezifische Gewalt im TV: Betroffene kommen selten zu Wort
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Eine Studie der Hochschule Wismar und der Universität Rostock, initiiert und gefördert durch die MaLisa Stiftung sowie die UFA, (PDF), hat die Darstellung von geschlechtsspezifischer Gewalt im deutschen Fernsehen untersucht. In 34 Prozent der betrachteten Sendungen habe es diese Form von Gewalt gegeben, dabei handele es sich vor allem um schwere Gewalt gegen Frauen und Kinder. Studienleiterin Christine Linke kommentiert: “Geschlechtsspezifische Gewalt ist vielfach im deutschen Fernsehen sichtbar, die Perspektive von Betroffenen steht aber nur selten im Zentrum. Besonders ernüchternd ist, dass Möglichkeiten der Prävention und Hilfsangebote kaum vermittelt werden. Die Studie zeigt klar: Es besteht Handlungsbedarf. Über geschlechtsspezifische Gewalt im deutschen Fernsehen müssen wir diskutieren.”

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4. Transparenz gefordert
(djv.de, Hendrik Zörner)
Nachdem bekannt geworden ist, dass Google mehreren großen Verlagen, darunter “Zeit” und “Spiegel”, Zahlungen in bislang unbekannter Höhe gemäß dem neuen Urheberrecht hat zukommen lassen, fordert der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) Transparenz: “Es ist das gute Recht der Autorinnen und Autoren”, so der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall, “dass sie die Summen kennen, an denen sie partizipieren.” Es sei befremdlich, dass es bisher kein Übereinkommen zwischen Google und der zuständigen Verwertungsgesellschaft Corint Media gebe. Corint fordere 420 Millionen Euro, Google halte diese Summe für überzogen.

5. Taliban verbieten Serien mit Frauen
(taz.de)
In Afghanistan haben die regierenden, militant-islamistischen Taliban weitreichende Einschränkungen für Fernsehinhalte verhängt: TV-Sender sollen keine Filme oder Serien mehr zeigen dürfen, in denen Frauen eine Rolle spielen oder die der islamischen Scharia widersprechen, heiße es in einer Anweisung des Ministeriums “für die Förderung der Tugend und Verhütung des Lasters”, die am Sonntag an Fernsehsender ausgegeben worden sei.

6. Welche Talkshows lassen Publikum ins Studio?
(tagesspiegel.de, Markus Ehrenberg)
Ein Sender, zwei Produktionen und offenbar zwei verschiedene Ansichten: Während das “ZDF Magazin Royale” mit Jan Böhmermann am vergangenen Freitag auf Publikum im Studio verzichtete, gab es bei der “heute show” mit Oliver Welke volle Zuschauerränge. Auch das Vorgehen der anderen Talk- und Show-Produktionen sei höchst uneinheitlich, so Markus Ehrenberg in seiner kleinen Bestandsaufnahme.

“The Republic” campaignt, “Drachenlord”, SWR-Liveschalte

1. Gefährlicher Flirt mit rechtsextremen Narrativen
(belltower.news, Simone Rafael)
Vor einigen Tagen wurde die rechtsalternative Medienseite “The Republic” gestartet. Das Portal setze vor allem auf “Negative Campaigning”, also auf das Schlechtmachen des politischen Gegners, und das populistische Spiel mit Ängsten und Aggressionen. Hinter dem vorgeblich Partei-unabhängigen Medienprojekt stünden Leute wie der ehemalige Leiter der digitalen Kommunikation der CSU im Bundestag. Simone Rafael beschreibt Strategie und Ziele der ultrakonservativen Kampagnenmacher.

2. Die schlechten Gewinner
(t-online.de, Lars Wienand)
“Der YouTuber ‘Drachenlord’ muss in Haft, weil er sich von seinen Hatern provozieren ließ und zuschlug. Was treibt Tausende an, einen Förderschüler jahrelang mit Hohn und Hass zu verfolgen?” Lars Wienand hat sich nach Nürnberg begeben, wo dem selbsternannten “Drachenlord” der Prozess gemacht wurde. Es ist eine Reise in eine Parallelwelt, die einen nachdenklich zurücklässt: Bei dieser verstörenden Geschichte ist nichts, wie es scheint, ist der Täter auch das Opfer, und die Opfer sind auch die Täter.

3. Nach Eklat bei SWR-Liveschalte – Parteiaustritt von CDU-Stadtrat Hornung gefordert
(swr.de)
Bei einer Live-Schalte des SWR auf dem Mannheimer CDU-Kreisparteitag hat ein CDU-Stadtrat die SWR-Reporterin Natalie Akbari so lange unterbrochen und kritisiert, bis diese das Schaltgespräch abbrechen musste. Dafür gibt es nun Kritik von verschiedenen Parteikollegen: “Das war eine Szenerie, wie man sie bislang nur von Pegida-Demonstrationen kannte.” Es sei wichtig, ein solches Verhalten zu unterbinden, “bevor es Schule macht”.

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4. Offener Brief: Der Kopf von Julian Reichelt reicht uns nicht
(genderequalitymedia.org)
Die Berichterstattung über Gewalt gegen Frauen müsse von allen Medien priorisiert und eingeordnet werden, fordert die Initiative “Gender Equality Media” (“GEM”). Wenn Frauen umgebracht werden und/oder Gewalt erfahren, sei dies kein Einzelfall oder ein Versehen, dahinter stecke ein patriarchales System. In einem offenen Brief (PDF) an die deutschen Verlage und Redaktionen fordert “GEM”, Stellung zu beziehen, im Sinne der Istanbul-Konvention zu handeln und systematische Diskriminierung jeglicher Art abzubauen.

5. Open Parliament TV
(de.openparliament.tv)
“Open Parliament TV” synchronisiert die Videoaufzeichnungen von Plenardebatten mit den Plenarprotokollen und stellt die Inhalte über eine Suchmaschine bereit: “Journalist:innen erhalten mit Open Parliament TV ein Werkzeug, welches das Auffinden, Teilen und Zitieren von Videoausschnitten aus Parlamentsreden enorm erleichtert. So lassen sich basierend auf einzelnen Schlüsselwörtern oder Satzbausteinen in Sekundenbruchteilen die entsprechenden Ausschnitte finden, abspielen und dann als Zitat in andere Plattformen einbinden.”

6. Stadt-Meme-Seiten auf Instagram erzielen krasse Reichweiten und werden nun zu Werbeträgern
(omr.com, Roland Eisenbrand)
Ob “Berlin Club Memes”, “koelnistkool” oder “Münchner Gesindel”: Lokale Meme-Seiten hätten sich innerhalb der vergangenen ein bis zwei Jahre vor allem auf Instagram zu einem Phänomen entwickelt. Roland Eisenbrand erklärt den Erfolg und die Vorgehensweise der Meme-Seiten, die teilweise erfolgreicher sind als die lokalen Nachrichtenmedien.

Vorwürfe gegen Facebook, 30 Jahre Käpt’n Blaubär, Hashtag HandyAlarm

1. Schwere Vorwürfe gegen Facebook
(tagesschau.de, Svea Eckert & Lena Kampf & Georg Mascolo)
Als erste deutsche Medien konnten NDR, WDR und “SZ” mit der Facebook-Whistleblowerin Frances Haugen sprechen und zahlreiche firmeninterne Dokumente einsehen. Demnach wisse Facebook genau, “dass mexikanische Drogenkartelle über ihre Plattform neue Auftragskiller suchen, Menschenhändler ihre ‘Ware’ anbieten und dass Instagram sehr negative psychische Auswirkungen auf Teenager habe”.
Weiterer Lesehinweis: Bei “Zeit Online” berichtet US-Korrespondentin Rieke Havertz über die jüngst erfolgte Aussage der Whistleblowerin vor US-Senatoren: Das Geschäft mit der sozialen Abhängigkeit.

2. Wenn bei “Bild” der #HandyAlarm geht
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers & Antje Allroggen, Audio: 6:43 Minuten)
“Bild” hat anscheinend ausgezeichnete Kontakte zu Unions-Abgeordneten, die regelmäßig Informationen durchstechen. Wenn CDU und CSU sich mit anderen Parteien zu vertraulichen Sondierungsverhandlungen über eine mögliche Zusammenarbeit treffen, könne man die Gespräche “auf Twitter quasi eins zu eins nachlesen”, so der Grünen-Politiker Cem Özdemir. Dienen solche Veröffentlichungen der Transparenz oder muss es auch geschützte Räume geben?

3. Fatale Verwechslung
(sueddeutsche.de, Aurelie von Blazekovic & Clara Meyer)
Bildverwechslungen sind immer unangenehm. Zu einer besonders unangenehmen kam es jedoch beim TV-Sender “Welt” (früher N24). Dort hatte man in einem Bericht über den Prozess gegen eine KZ-Sekretärin nicht die Angeklagte, sondern die Holocaust-Überlebende Anita Lasker-Wallfisch gezeigt.

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4. “Ich gebe keinen Leser und keine Leserin auf”
(journalist.de, Ute Korinth)
Im “journalist”-Interview erklärt der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, wie er versucht, mit seinen Auftritten auch jene zu erreichen, die der Wissenschaft widersprechen oder sie verteufeln: “Ich gebe keinen Leser und keine Leserin auf. Auch die Leser*innen der Bild-Zeitung sind bedeutsam. Die muss man versuchen zu erreichen. Was wäre die Alternative? Wir können nicht jeden Tag in bestimmten Zeitungen lesen, dass alles umsonst gewesen ist, dass wir uns die Maßnahmen hätten sparen können, dass sich jetzt herausstellen würde, dass Covid nicht so gefährlich gewesen wäre. Es werden dort ja Legenden geboren, die in Konflikt zu dem stehen, was die Realität beschreibt. Dem muss man sich stellen.”

5. Ausschüttungen der VG Wort an Herausgeber und Förderungsfonds rechtswidrig
(urheberrecht.org)
Das Landgericht München hat entschieden, dass die Ausschüttungen der VG Wort an Herausgeber sowie an den Förderungsfonds Wissenschaft der VG Wort rechtswidrig waren. Geklagt hatte ein Autor, der der Auffassung war, die VG Wort habe aufgrund der besagten Zahlungen seine ihm zustehende Ausschüttungen im Zeitraum 2016 bis September 2019 unzulässigerweise gemindert.

6. 30 Jahre Käpt’n Blaubär: mit der Lizenz zum Flunkern
(rnd.de, Cornelia Wystrichowski)
Genau heute vor dreißig Jahren begann in der “Sendung mit der Maus” die TV-Karriere des Seemannsgarn spinnenden Käpt’n Blaubär. Einer der vielen Erfolgsfaktoren, neben der tollen Synchronarbeit des mittlerweile verstorbenen Wolfgang Völz: Die Figur mische Humor für Kinder mit Ironie für Erwachsene.

“Aber Halt!”

Kann das echt alles “Zufall” sein?

… fragte “Bild”-Redakteur Julian Röpcke vor einem Monat und meinte damit ein kurzes Video des öffentlich-rechtlichen Senders rbb zum Thema Fahrradfahren in Berlin. Röpcke schrieb dazu: “Eine typische Straßenumfrage mit zufällig ausgewählten Protagonisten, so scheint es …”. Im rbb-Clip waren nämlich auch zwei Personen zu sehen, die sich zu ihren Erfahrungen im Berliner Straßenverkehr äußerten. Einer davon: Georg Kössler, der zum damaligen Zeitpunkt für die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus saß, vom rbb aber nicht als Grünen-Politiker gekennzeichnet, sondern als ganz normaler Passant präsentiert wurde. Unter anderem lobte Kössler neu entstandene Pop-up-Radwege in der Stadt, die zum Programm der Grünen gehören. Oder wie Röpcke schrieb:

Ein Radler, der den Grünen in Berlin aus der Seele spricht, so scheint es, und ihre begonnene Verkehrswende in der Stadt als Lichtblick aus der Misere sieht.

Aber Halt! Nutzern im sozialen Netzwerk Twitter fällt auf, dass der Mann kein Unbekannter ist.

Der rbb löschte das Video und bat um Entschuldigung.

Am vergangenen Freitag berichteten “Bild” und Bild.de über ein Foto der neuen SPD-Bundestagsfraktion:

Ausriss Bild-Zeitung - Nach SPD-Gruppen-Foto ohne Mundschutz - Warum dürfen sich Politiker über die Maskenpflicht hinwegsetzen Schüler aber nicht?

Dazu befragte die “Bild”-Redaktion auch eine Schülerin und zwei Schüler. Alle drei finden das Verhalten der SPD-Politikerinnen und -Politiker ziemlich daneben. So sagt Adrian Klant, dass das SPD-Foto “der reine Hohn für Lehrer und Schüler” sei. Jan-Luca Schmid fragt: “Wenn sich SPD-Politiker im Bundestag nicht an Hygiene-Regeln halten müssen, warum sollten es dann Kinder und Jugendliche tun?” Und zu Isabell Biersack schreibt “Bild”: “Über das SPD-Fotoshooting schüttelt sie den Kopf.”

Bei Adrian Klant erwähnt die “Bild”-Redaktion, dass er “Bundesvorsitzender der Schüler Union” ist, ohne weiter zu erklären, was die Schüler Union genau ist. Man erfährt nicht, dass es sich bei ihr nicht einfach um irgendeine Schülerorganisation handelt, sondern um eine CDU- und CSU-nahe. Man muss beim Begriff “Union” schon selbst drauf kommen. Aber immerhin wird die Schüler Union überhaupt erwähnt.

Jan-Luca Schmid und Isabell Biersack werden hingegen als ganz normaler Schüler und ganz normale Schülerin von “Bild” präsentiert. Dass der eine Schriftführer im Vorstand der Jungen Union Neckar-Odenwald-Kreis ist, und die andere stellvertretende Vorsitzende der Jungen Union Trier, erwähnt “Bild” mit keinem Wort.

Drei Schülerinnen und Schüler befragt die Redaktion zu einem SPD-Fauxpas. Und alle drei haben einen CDU/CSU-Hintergrund, der bei zweien nicht mal erwähnt wird. Was würde “Bild”-Redakteur Julian Röpcke in so einem Fall wohl fragen?

Kann das echt alles “Zufall” sein?

Mit Dank an die Hinweisgeber!

Nachtrag, 5. Oktober: Mehrere BILDblog-Leserinnen und -Leser weisen darauf hin, dass bei ihren Kindern im laufenden Schuljahr bereits Klassenfotos aufgenommen wurden. Und dass die Kinder bei diesen Fotos, ähnlich wie beim SPD-Foto, ihre Masken abnehmen durften.

Außerdem schreiben einige, dass es in mehreren Bundesländern inzwischen keine Maskenpflicht an Schulen mehr gibt. In Berlin beispielsweise für die Klassenstufen 1 bis 6, im Saarland für alle Jahrgänge. In Bayern müssen Schülerinnen und Schüler im Schulgebäude zwar weiter eine Maske tragen, im Unterricht dürfen sie sie aber abnehmen. Im “Bild”-Artikel liest man von diesen Lockerungen nichts, obwohl die Landesregierungen den Wegfall der Maskenpflicht teilweise schon einige Tage vor Erscheinen des “Bild”-Beitrags publik gemacht haben.

Nachtrag 2, 5. Oktober: Die “Bild”-Redaktion hat auf unsere Kritik reagiert. Im Onlineartikel steht inzwischen bei Jan-Luca Schmid: “Mitglied der Jungen Union” und bei Isabell Biersack: “ist bei der Jungen Union engagiert”. Außerdem ist am Ende des Beitrags nun dieser Hinweis zu finden:

Anmerkung der Redaktion: Jan-Luca Schmid und Isabell Biersack sind Mitglieder der Jungen Union. Diese Angabe war in der ursprünglichen Fassung des Textes nicht enthalten.

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KW 39: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, endlich Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Samstagsausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Reichelt in Rage – ZAPP gucken hilft
(ndr.de, Zapp Medienmagazin, Video: 13:48 Minuten)
Das NDR-Medienmagazin “Zapp” hatte eine Anfrage an “Bild” geschickt, über die sich “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt bei “Bild TV” schrecklich aufregte, noch bevor der “Zapp”-Film überhaupt veröffentlicht wurde. “Zapp”-Redaktionsleiterin Annette Leiterer erklärt, worum es ging. Und natürlich ist der in Rede stehende Film “Nach Hochwasser: Wie helfen Medien im Ahrtal wirklich?” im Beitrag eingebettet. Lohnenswert auch das ebenfalls eingebettete Gespräch mit der Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling (Video, 42:45 Minuten).

2. Das Phänomen Influencer
(mdr.de)
Das MDR-Portal für Medienthemen hat ein Dossier zum Influencer-Marketing zusammengestellt: Wie wichtig sind Follower wirklich? Warum interessieren sich Influencer plötzlich so für Politik? Und was bringt die meisten Kooperationspartner? Zu diesen und anderen Themen sprechen die Influencerin Jenna Miller, der Autor Wolfgang M. Schmitt und der Agenturgründer Jörg Stark.

3. Der Märchenonkel – In 80 Jahren um sich selbst
(der-maerchenonkel.com, Tahir Chaudhry)
Jürgen Todenhöfer ist eine, zurückhaltend ausgedrückt, schillernde Persönlichkeit. Er hat gute Verbindungen in die Medienwelt: Todehöfer war 22 Jahre lang für den Burda-Verlag tätig und von 2017 bis 2018 Herausgeber des “Freitag”. Der langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete gründete vor Kurzem die Partei Team Todenhöfer und trat mit ihr – mit überschaubarem Erfolg – bei der Bundestagswahl an. Im Juli dieses Jahres war Todenhöfer bereits bei “Jung & Naiv” zu Gast und betrieb dort eine Art Selbstzerstörung. Nun haben ehemalige Gefolgsleute nachgelegt und sorgen für die weitere Dekonstruktion. Das Projekt “Märchenonkel” ist als Videoserie in vier Teilen angelegt, von denen bereits die Folgen 1 (Tübinger Hexenküche, 1:32 Stunden) und 2 (Geheime Dienste, 1:37 Stunden) online sind. Vielleicht etwas länglich, aber durchaus informativ und unterhaltsam.

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4. Mit offenen Karten – Geopolitik der Sozialen Netzwerke
(arte.tv, Emilie Aubry, Video: 12:14 Minuten)
Im geopolitischen Magazin “Mit offenen Karten” (Arte) geht es in der aktuellen Folge um die Geopolitik der Sozialen Netzwerke: “Google & Co. sind längst zu politischen Playern geworden. ‘Mit offenen Karten’ fragt, worin sich der Umgang mit den digitalen Medien in Demokratien und in autoritären Staaten unterscheidet, und beleuchtet dazu zunächst das chinesische Modell, das den Bürgern den Zugang zum weltweiten Internet verwehrt.”

5. Warum ist digitale Resilienz mehr als ein Buzzword?
(wasmitmedien.de, Daniel Fiene & Sebastian Pähler, Audio: 1:00:30 Stunden)
Die neueste Ausgabe von “Was mit Medien” dreht sich um “digitale Resilienz”, ein “ganzheitliches Konzept, das insbesondere solchen Unternehmen und Organisationen unterschiedlicher Branchen helfen soll, deren Strukturen und Praktiken von der fortschreitenden Digitalisierung herausgefordert werden.” Auf welche großen Herausforderungen müssen Medienhäuser und Medienschaffende tatsächlich reagieren? Wie sehen Lösungen aus? Das verraten die “Vocer”-Herausgeber Leif Kramp und Stephan Weichert, die sich auf verschiedenen Ebenen mit der digitalen Resilienz beschäftigen.

6. Die Tanja May und ihre Methoden
(youtube.com, Übermedien, Boris Rosenkranz & Ajmone Kuqi, Video: 9:10 Minuten)
Tanja May war 20 Jahre bei “Bunte” – erst als Unterhaltungs-Redakteurin, dann als Chefreporterin, die letzten zehn Jahre als stellvertretende Chefredakteurin. Doch jetzt ist Schluss damit: May wird Unterhaltungschefin und stellvertretende Chefredakteurin von “Bild”. Boris Rosenkranz erinnert daran, mit welch zweifelhaften Methoden die Klatsch-Redakteurin bislang aufgefallen ist, und sorgt dafür, dass Tanja May endlich den ihr zustehenden Wikipedia-Eintrag erhält.

“Bild”, das große gewollte Missverständnis

Wie sehr kann man etwas missverstehen wollen? Und wie stark kann man sich dann auf Grundlage dieses gewollten Missverständnisses empören? Die “Bild”-Redaktion versucht momentan, genau das auszuloten.

CDU-Politikerin Karin Prien, Bildungsministerin in Schleswig-Holstein und Teil von Armin Laschets “Zukunftsteam”, schrieb gestern bei Twitter:

Screenshot eines Tweets von Karin Prien - Handy-Alarm ist die traurige Chiffre für die Totengräber jedweder vertrauensvollen Zusammenarbeit. Ein Anschlag auf unsere Demokratie

Mit dem “Handy-Alarm” greift Prien einen “Bild”-Begriff auf. Seit einigen Tagen blendet die Redaktion im “Bild-TV”-Programm ein großes “Handy-Alarm” ein, wenn auf dem Smartphone des stellvertretenden Chefredakteurs Paul Ronzheimer wieder frische Interna aus den Sitzungen der kürzlich gewählten Bundestagsfraktionen eingetroffen sind:

Screenshot Bild-TV - Handy-Alarm

In den meisten Fällen handelt es sich dabei derzeit um Aussagen aus Priens CDU. Bei diesen Sitzungen ist unter den Teilnehmern eigentlich eine Vertraulichkeit vereinbart. Aber manch einer füttert Ronzheimer (und auch andere Journalisten) mit den internen Infos, die dann umgehend als “Handy-Alarm” bei “Bild TV” landen. Auf nichts ist die “Bild”-Redaktion derzeit stolzer als auf Paul Ronzheimers Handy.

In Karin Priens Tweet stecken zweifelsohne große Worte und schwere Vorwürfe. Aber in welche Richtung zielen sie? Wer sind in Priens Augen die “Totengräber”? Wer verübt einen “Anschlag auf unsere Demokratie”?

Man kann es bereits aus ihrem Tweet recht problemlos herauslesen, wenn man denn will. Schließlich verortet Prien das Problem der durchgestochenen Interna bei den “Totengräbern jedweder vertrauensvollen Zusammenarbeit”. Sie kann damit nur die ursprünglich als vertrauensvoll gedachte Zusammenarbeit in den Gremien der Union meinen und mit den “Totengräbern” die CDU-Maulwürfe, die Ronzheimer die Infos stecken. Sie kann damit nicht die Arbeit von Medien meinen und mit den “Totengräbern” die “Bild”-Redaktion, auch wenn sie den von “Bild” geprägten Begriff “Handy-Alarm” aufgreift. Und damit sieht sie auch nicht in der Berichterstattung einen “Anschlag auf die Demokratie”, sondern im Weiterreichen eigentlich vertraulicher Aussagen.

Deutlich wird das auch durch einen Tweet, den Karin Prien einen Tag zuvor zum selben Thema verfasst hat:

Screenshot eines Tweets von Karin Prien - Journalistischer Jagdinstinkt in allen Ehren. Aber wenn wir es nicht hinkriegen, einige Grundregeln des fairen und solidarischen Miteinanders wieder in unseren Gremien zu etablieren, werden wir aus der Krise nicht heraus kommen.

Und auch nach ihrem “Totengräber”-Tweet machte Prien noch einmal deutlich, dass ihr Vorwurf nicht der “Bild”-Redaktion galt.

Doch die interessiert das alles nicht. Sie will sich hier als Opfer eines “Frontalangriffs” und als notwendige Verteidigerin einer (in diesem Fall gar nicht attackierten) Pressefreiheit sehen:

Screenshot Bild.de - CDU-Frau greift BILD an - Merkwürdiger Frontalangriff von Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien auf BILD. BILD berichtet seit Stunden transparent aus der Fraktionssitzung der Union, veröffentlicht Politiker-Statements live unter dem Titel Handy-Alarm. Prien nennt das auf Twitter einen Anschlag auf unsere Demokratie. Für eine Bildungsministerin ein fragwürdiges Verständnis von Journalismus.

“Bild”-Reporter fordern eine Entschuldigung von Karin Prien:

Screenshot eines Tweets von Mo Rabie - Wenn Pressefreiheit zu Anschlag auf unsere Demokratie erklärt wird, dann ist das mehr als Skandalös! Das ist eine Frechheit Frau Karin Prien entschuldigen Sie sich!

“Bild”-Redakteure erklären Priens Aussage zum “Anschlag auf die Demokratie”:

Screenshot eines Tweets von Willi Haentjes - Ganz liebe Grüße zurück Karin Prien, beruflich Bildungsministerin. Journalismus als Anschlag auf unsere Demokratie zu bezeichnen ist dann wirklich ein Anschlag auf die Demokratie.

Bei “Bild TV”, der Heimat des “Handy-Alarms”, ist die Empörung besonders groß. Paul Ronzheimer spricht von “einem wirklichen Skandal”, Prien habe offenbar ein “höchst zweifelhaftes Verständnis von Pressefreiheit”. “Bild-TV”-Moderator Thomas Kausch sagt, dass Prien sich “dermaßen im Ton vergriffen” habe. “Bild”-“Show-Expertin” Özlem Evans hält das alles für eine “Frechheit”. “Eine absolute Frechheit”, findet auch Ronzheimer. Und auch er will Priens Tweet noch einmal missverstehen:

Ich verstehe das ja, dass man sich als Politikerin ärgert darüber, dass wir darüber informieren.

In einer anderen “Bild-TV”-Sendung regt sich “Bild”-Meinungschef Filipp Piatov goldenehimbeereverdächtig auf: “Also ich bin wirklich fassungslos, wenn ich das lese.” Und: “Wirklich, ich bin sprachlos.”

Den bisherigen Empörungshöhepunkt gab es gestern Abend in der Empörungssendung “Viertel nach Acht”. “Bild-TV”-Programmchef Claus Strunz erklärt Karin Prien zu seiner “absoluten Negativfigur des Tages” – “die hat sich heute nämlich wahnsinnig erregt über den ‘Handy-Alarm’ bei ‘Bild live’.” Man könnte, so Strunz, “fast sagen, sie ist durchgeknallt”:

Screenshot Bild-TV - Man kann fast sagen, sie ist durchgeknallt

“Ein Anschlag auf unsere Demokratie”? Also lassen Sie mich mal kurz nachdenken. Es ist doch Journalismus, es ist Informationsbeschaffung, es ist Pressefreiheit. Wer das als “Anschlag auf die Demokratie” sieht oder wertet, der will Pressefreiheit relativieren, vielleicht sogar abschaffen, das will ich nicht unterstellen. Auf jeden Fall hat der- oder diejenige große Probleme mit der Pressefreiheit.

Einen kurzen Lichtblick gibt es in der Sendung dann aber doch. “Welt”-Redakteur Constantin van Lijnden, der ebenfalls in der “Viertel-nach-Acht”-Runde sitzt, sagt über Karin Priens Aussage:

Die wohlwollendere Lesart ihres Tweets ist ja noch die, dass er sich nicht an die Journalisten richtet, weil das wäre nun wirklich unsinnig, denen irgendwie das Recht abzusprechen, solche Dinge zu veröffentlichen, sondern dass er sich nur in Anführungsstrichen an diejenigen Politiker, Parteikollegen richtet, die Dinge durchstechen.

Claus Strunz und die anderen Mitdiskutanten aus der “Bild”-Redaktion sind an diesem Gedanken aber nicht weiter interessiert.

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“Bild” enthüllt öffentlich-rechtliche Verschwörung gegen die deutschen Wahlurnen

Die “Bild”-Redaktion hat sich derart in ihren Kampf gegen die TV-Konkurrenz von ARD und ZDF hineingesteigert und versucht so krampfhaft, alles links von FDP und CDU/CSU zu diskreditieren, dass sie inzwischen behauptet (und vielleicht sogar glaubt), dass die Öffentlich-Rechtlichen drei Tage vor der Bundestagswahl noch versuchen, das Wahlrecht in einer Form ändern zu lassen, dass Olaf Scholz und dessen SPD am Sonntag als sichere Sieger aus der Bundestagswahl hervorgehen.

Gestern erschien bei Bild.de dieser Artikel:

Screenshot Bild.de - Weil Ausländer und Jugendliche nicht wählen dürfen - So machen ARD und ZDF Stimmung gegen unser Wahlrecht

Gleich zu Beginn heißt es:

Jetzt sollen sogar Kinder und Ausländer an die deutschen Wahlurnen, damit es für den Scholz-Sieg reicht …

Zumindest wenn es nach den Öffentlich-Rechtlichen geht.

“Bild” meint nämlich beobachtet zu haben, dass ARD und ZDF “in den Tagen vor der Bundestagswahl immer wieder Stimmung für eine Änderung des Wahlrechts” machen und “problematisieren, Menschen würden angeblich ausgeschlossen, weil sie zu jung oder keine Staatsbürger sind.”

Das “angeblich” ist in dieser Aussage natürlich völlig überflüssig, denn tatsächlich ist es so, dass sowohl Personen, die noch nicht 18 Jahre alt sind, als auch Menschen, die keinen deutschen Pass haben, von der Bundestagswahl ausgeschlossen sind. Das gibt unter anderem das Grundgesetz so vor.

Genau diesen Umstand haben in den vergangenen Tagen also verschiedene Sendungen und Social-Media-Kanäle der öffentlich-rechtlichen Sender thematisiert. “Bild” listet sechs Beispiele auf, darunter etwa ein Instagram-Post des WDR-Politmagazins “Monitor”:

Eigentlich darf man in Deutschland bei der Bundestagswahl wählen, wenn man 18 ist und mindestens schon drei Monate einen festen Wohnsitz im Land hat. Aber man braucht auch einen deutschen Pass. Und den haben fast 9 Millionen Erwachsene, die hier leben, nicht. Obwohl sie teilweise arbeiten und Steuern zahlen.

Und ein Instagram-Post des öffentlich-rechtlichen Radiosenders Deutschlandfunk Kultur:

Das ist Franziska Wessel. Sie ist 17 Jahre alt und darf bei dieser Bundestagswahl nicht wählen. Ihr Vater wird ihr deshalb seine Stimme schenken.

In keinem der von “Bild” genannten Beispiele fordert eine der Redaktionen eine Gesetzesänderung. Sie informieren lediglich darüber, dass bestimmte Personen am Sonntag nicht wählen dürfen. Ist das reine Benennen eines Fakts also tatsächlich schon Stimmungsmache “für eine Änderung des Wahlrechts”, wie “Bild” behauptet?

Dass es in der Vergangenheit durchaus Änderungen des Wahlrechts gab, gerade beim Wahlalter, erwähnt “Bild” nicht. Dafür hat die Redaktion aber mehrere Meinungen zum Verhalten der Öffentlich-Rechtlichen eingeholt: Ein FDP-Politiker sagt, dass es befremdlich sei, “dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk Debatten konstruiert, die unser Wahlrecht untergraben.” Ein CDU-Politiker sagt, dass “ein linkes Milieu” sich “offenbar mit diesem Vorstoß einen Stimmenzuwachs” erhoffe. Und dann zitiert “Bild” noch einen Wissenschaftler:

Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter (79, Uni Passau) zu BILD: “Es ist legitim und sinnvoll, dass das Wahlrecht an Staatsbürgerschaft und Volljährigkeit gebunden ist. Es ist grotesk, dass die Öffentlich-Rechtlichen einen anderen Eindruck erwecken. (…)” Und weiter: “Es ist eine alte linke Forderung, das Wahlalter abzusenken, weil man sich erhofft, dass junge Menschen eher links wählen.”

Leider hat die “Bild”-Redaktion an dieser Stelle vergessen zu erwähnen, dass Heinrich Oberreuter nicht nur Politikwissenschaftler ist, sondern auch CSU-Mitglied.

Aus der Kombination von einem halben Dutzend öffentlich-rechtlichen Beispielen und Aussagen der SPD-Konkurrenz konstruiert “Bild” also, dass ARD, ZDF und Deutschlandradio sich dazu verschworen haben, “Kinder und Ausländer an die deutschen Wahlurnen” zu instagrammen, “damit es für den Scholz-Sieg reicht”. Das war selbst der “Bild”-Redaktion dann offenbar etwas zu irre. Sie änderte nach einigen Stunden den Artikeleinstieg heimlich. Er lautet nun:

Sollen künftig auch Kinder und Ausländer an die Wahlurnen, damit erhoffte Mehrheiten zustande kommen?

Zumindest, wenn es nach den Öffentlich-Rechtlichen geht.

Das ist zwar weniger konkret, aber nicht weniger verschwörerisch.

Nachtrag, 21:17 Uhr: Dass “Bild” in diesem Zusammenhang einen FDP-Politiker zitiert, ist interessant. Und dass dieser den Öffentlich-Rechtlichen ein Untergraben des Wahlrechts vorwirft, ist etwas kurios. Denn im Wahlprogramm der FDP (PDF, Seite 40) steht:

Wir Freie Demokraten fordern eine Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre für die Wahlen zum Deutschen Bundestag und Europäischen Parlament.

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Dieser Fall zeigt – im Wahlkampf verzerrt “Bild” heftig

Nachdem vergangene Woche vermutlich ein Anschlag auf eine Synagoge in Hagen vereitelt werden konnte, und sich seitdem ein 16-jähriger Syrer in Untersuchungshaft befindet, stand für “Bild” am Freitag fest:

Ausriss Bild-Zeitung - Deutschlands wichtigstes Thema - Dieser Fall zeigt - im Wahlkampf wird zu wenig über Islamismus gesprochen

Dazu präsentiert die Redaktion einen “Islamismus-Check”, in dem sie nach eigener Aussage überprüft, ob Grüne, SPD und CDU “Deutschlands wichtigstes Thema” (ob das wirklich zutrifft – dazu weiter unten mehr) auch wirklich ernst nehmen:

Ausriss Bild-Zeitung - Wer nimmt das Thema ernst? Die Kanzlerkandidaten im Islamismus-Check

Machtübernahme der Taliban! Islamistische Anschläge weltweit! Terrorangst auch in Deutschland!

Dennoch kommt das Reizthema Islamismus im Bundestagswahlkampf kaum vor.

Viele Wähler fragen sich: Wie wollen die Parteien mit der islamistischen Gefahr der selbst ernannten Gotteskrieger umgehen?

BILD macht den Wahlcheck!

Zu Annalena Baerbock und den Grünen schreibt “Bild”, dass es in der Partei “traditionell” eine “große Nähe zum islamistischen Mullah-Regime in Teheran” gebe, und “Kritik an islamistischem Hass auf Schwule, Lesben, Juden” eher “verhalten geäußert” werde. Und:

Im Programm der Grünen taucht das Wort “Islamismus” nicht auf

Also wird das Thema auch von den Grünen verschwiegen?

Dass das Wort “Islamismus” nicht im Wahlprogramm der Grünen auftauchen soll, ist eine klassische “Bild”-Verzerrung, die, wenn überhaupt, nur haarscharf an einer Lüge vorbeischrammt. Es ist richtig, dass der Begriff “Islamismus” im Programm (PDF) nicht zu finden ist. Dafür aber das Wort “islamistische” (Seite 195):

Zahlreiche Straftaten finden grenzüberschreitend statt, insbesondere die organisierte Kriminalität uns islamistische oder rechtsextreme Terrornetzwerke machen nicht an Landesgrenzen halt.

Und das Wort “islamistischer” (Seite 197):

Wir wollen daher auf Bundesebene einen Fonds für Opfer und Betroffene, insbesondere rechtsextremer, rassistischer oder islamistischer Gewalt, einrichten.

Und das Wort “Islamist*innen” (ebenfalls Seite 197):

Jede Form politisch motivierter Gewalt gefährdet unseren Rechtsstaat. Insbesondere durch Terrorismus von gewaltbereiten Rechtsextremist*innen und Islamist*innen ist die öffentliche Sicherheit in Deutschland bedroht.

Und das Wort “islamistischen” (Seite 198):

Aussteigerprogramme für Menschen aus der rechtsextremistischen und islamistischen Szene werden wir ebenso ausbauen wie Hilfs- und Beratungsangebote für Opfer und deren Angehörige.

Nichts davon erwähnt die “Bild”-Redaktion in ihrem “Islamismus-Check”.

Bei der SPD und deren Spitzenkandidaten Olaf Scholz raunt “Bild” derart rum, dass man glatt auf die Idee kommen könnte, Scholz trüge eine irgendwie geartete Mitschuld an den Anschlägen des 11. September 2001:

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurde bekannt, dass einige der Attentäter aus Hamburg kamen und die Behörden sie nicht stoppten.

Innensenator damals: Olaf Scholz.

Und auch bei der SPD ist “Bild” aufgefallen, dass die Partei in ihrem Wahlprogramm (PDF) nicht von “Islamismus” spricht:

Die SPD vermeidet den Begriff “Islamismus” im Programm

Man findet allerdings diesen Absatz (Seite 47):

Extremisten und Terroristen bedrohen unsere freie Gesellschaft. Um dieser erheblichen Gefahr wirksam begegnen zu können, muss der Verfassungsschutz die Rolle eines demokratischen Frühwarnsystems erfüllen. Verfassungsfeindliche Organisationen werden wir verbieten. Wo Religionsfreiheit missbraucht wird und in religiösen Fanatismus umschlägt, müssen staatliche Sicherheitsbehörden konsequent eingreifen. Mit aller Konsequenz und Härte werden wir weiter gegen Terror und Gewalt vorgehen.

Auch dazu: kein Wort im “Bild”-“Islamismus-Check”. Stattdessen lässt die Redaktion es so wirken, als hätten lediglich die CDU und Armin Laschet eine Antwort parat (“In ihrem Wahlprogramm bezeichnet die CDU Islamismus als ‘extremistische politische Ideologie’, die mit ‘der ganzen Härte des Rechtsstaats’ bekämpft werden müsse.”).

Und dann noch zur Frage, ob Islamismus wirklich, wie “Bild” behauptet, “Deutschlands wichtigstes Thema” ist. Wie die Redaktion darauf kommt, ist uns schleierhaft. Vielleicht mag das in der eigenen Redaktionskonferenz so sein oder beim AfD-Stammtisch. “Bild” nennt jedenfalls keine Quelle für die Behauptung.

Uns ist keine aktuelle Umfrage bekannt, in der die Befragten mehrheitlich Islamismus oder wenigstens Terrorismus oder innere Sicherheit oder Kriminalität als “wichtigstes Thema” oder größtes Problem Deutschlands nennen. Nur wenige Tage vor Erscheinen des “Bild”-Artikels veröffentlichte “Bild am Sonntag” das Ergebnis einer eigenen Umfrage: “Welche der folgenden Themen sind für Sie bei der Bundestagswahl wahlentscheidend?” Auf Platz 1: “Klima” (35 Prozent). Platz 2: “Rente” (33). Platz 3: “Wohnen und Miete” (26). Gefolgt von: “Umgang mit Corona-Pandemie” (26), “Gesundheit und Pflege” (24), “Schule, Kitas und Bildung” (21). Auf Platz 10: “Innere Sicherheit” (17). Ein ähnliches Bild auch bei anderen Umfragen: Die EU-Kommission fragte zum Beispiel “Was sind Ihrer Meinung nach die beiden wichtigsten Probleme, denen Deutschland derzeit gegenübersteht?”. Am häufigsten wurde “Umwelt und Klimawandel” genannt (34 Prozent), dann “Steigende Preise/Inflation/Lebenshaltungskosten” (24) und dann “Das Bildungssystem” (22). Deutlich weiter hinten: “Kriminalität” (8) und “Terrorismus” (3). Das Umweltbundesamt fragte (PDF), welche Themen in Deutschland für “sehr wichtig” gehalten werden. Die meisten Befragten sagten “Zustand des Bildungswesens” (78 Prozent), “Zustand des Gesundheitssystems” (73) und “Soziale Gerechtigkeit” (66). “Kriminalität, öffentliche Sicherheit” (57) sowie “Kriege, Terrorismus” (48) antworteten deutlich weniger. Und auch auf europäischer Ebene sieht es nicht viel anders aus: Das Europäische Parlament wollte wissen “Welche der folgenden Themen sollte das Europäische Parlament Ihrer Meinung nach Priorität einräumen?” (PDF). Bei den Antworten aus Deutschland lagen die “Maßnahmen gegen den Klimawandel” ganz vorne (44 Prozent), gefolgt von “Maßnahmen zur Bekämpfung von Armut und Ausgrenzung” (37) und “Menschenrechte (in der EU und weltweit)” (29). “Die Bekämpfung von Terrorismus und organisierter Kriminalität” (25) wurde seltener genannt.

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Debatte um “Quarks”-Moderatorin, Migration, Baut Barrieren ab

1. Debatte um “Quarks”-Frau
(taz.de, Peter Weissenburger)
Die Fernsehmoderatorin Nemi El-Hassan sollte eigentlich demnächst durch die WDR-Wissenschaftssendung “Quarks” führen, doch damit wird es vorerst nichts. Nachdem bekannt geworden war, dass El-Hassan vor sieben Jahren an einer israelfeindlichen, antisemitischen Demo teilgenommen hat, setzte der WDR den geplanten Moderationsstart aus. Peter Weissenburger erklärt, um was es bei den Vorwürfen geht.

2. Die Krux mit der digitalen Transformation
(netzpolitik.org, Jana Ballweber)
Mit einer Subvention von 220 Millionen Euro wollte das Bundeswirtschaftsministerium die digitale Transformation der deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenverlage unterstützen, doch dazu kam es nicht. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) musste das Projekt kurz vor der Auszahlung einstampfen. Es bestanden verfassungsrechtliche Bedenken, Onlinemedien sahen sich benachteiligt, und auch der Bundesrechnungshof habe das Konzept “komplett zerlegt”. Nun erbe die neue Bundesregierung das Problem.

3. Unsere Arbeit in Afghanistan wird nicht mit Regierungsgeldern finanziert
(aerzte-ohne-grenzen.de)
Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen korrigiert die wiederholten Aussagen von Seiten der Politik, sie erhalte für ihre humanitäre Hilfe in Afghanistan Regierungsgelder. Zuletzt habe dies der CSU-Landesgruppenchef im Deutschen Bundestag Alexander Dobrindt vorgestern im TV-“Vierkampf” der kleineren Parteien behauptet. Die Organisation stellt klar: “Ärzte ohne Grenzen nimmt für seine humanitäre Hilfe in Afghanistan keine Gelder von Regierungen an, auch nicht von der deutschen Bundesregierung. Die Arbeit wird ausschließlich mit privaten Mitteln finanziert. Nur so können die drei Grundprinzipien – Unparteilichkeit, Neutralität und Unabhängigkeit – nach denen die Organisation arbeitet, gewährleistet werden. Die Einhaltung dieser Prinzipien ist die wichtigste Grundlage der humanitären Arbeit und gewährleistet die Sicherheit der Patient*innen und Mitarbeitenden vor Ort.”

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4. Kompetent über Migration berichten
(verdi.de, Bärbel Röben)
Beim Thema Migration fehlt es Medienschaffenden oft an Fachwissen. Abhilfe soll das kostenfrei verfügbare UNESCO-Handbuch “Reporting on Migrants and Refugees” schaffen, das im Dortmunder Erich-Brost-Institut für internationalen Journalismus erarbeitet wurde. Bärbel Röben hat sich das Handbuch angeschaut, das wertvolle Informationen liefere, jedoch leider nur in englischer Sprache erhältlich sei.

5. Baut die Barrieren ab!
(uebermedien.de, Andrea Schöne)
Gerade in Katastrophenfällen ist eine barrierefreie Berichterstattung enorm wichtig. Daran mangelt es jedoch, wie sich zuletzt schmerzlich bei der Hochwasserkatastrophe im Kreis Ahrweiler zeigte. Es sei Zeit, dass deutsche Medien ihr alltägliches Programm und auch ihre Notfallkommunikation neu denken, findet Andrea Schöne bei “Übermedien” und hat dazu einen Katalog mit Wünschen aufgestellt.

6. Die Kanzlerin und die Medien
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers, Audio: 7:14 Minuten)
Der Deutschlandfunk schaut auf 16 Jahre Angela Merkel als Bundeskanzlerin und ihr Verhältnis zu den Medien zurück: Hat sie sich zu oft zu rar gemacht? Hätte sie ihre Politik in Interviews besser erklären müssen? Wurde meistens zu wohlwollend berichtet?

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Eckstein, Eckstein, niemand wird versteckt sein

Eine momentan ganz beliebte Erzählung von Politikern der CDU und CSU geht so: Die SPD und ihr Spitzenkandidat Olaf Scholz sollen die prominenten Vertreter des linken Parteiflügels verstecken, damit diese mit ihren Ideen und Aussagen nicht Scholz’ erfolgreichen Wahlkampf torpedieren können. Das SPD-Führungsduo Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans sollen genauso wie der ehemalige Juso-Chef und heutige stellvertretende Bundesvorsitzende Kevin Kühnert also nicht in die Öffentlichkeit gelassen werden.

Gestern Abend in der “Bild-TV”-Sendung “Viertel nach Acht” hat sich “Bild”-Moderatorin Nena Schink dieser Erzählung angeschlossen:

Der eigentliche Erfolg von Olaf Scholz war doch gar nicht gestern im Triell die Leistung, nein, der eigentliche Erfolg von Olaf Scholz ist, wie er seine Leute im Griff hat. Ich meine, dass Saskia Esken die Einladung zu Anne Will ausschlug, das ist der große Erfolg von Olaf Scholz. Und das ist das, wofür man ihn loben sollte: Dass er es schafft, Enteignungs-Kevin, Versteck-mich-Saskia und den Corona-Hampelmann Lauterbach einfach zu verstecken und damit auch die linken Phantasien.

“Bild”-Chef Julian Reichelt, der ebenfalls in der “Bild-TV”-Sendung sitzt, erzählt zwar, dass Kevin Kühnert aus dem Vorwurf “ein teilweise sehr unterhaltsames Spiel” mache, indem er bei Twitter regelmäßig darauf hinweist, in welcher Talkshow er sich diesmal versteckt; aber auch Reichelt sagt:

Ich habe ja auch das Gefühl, dass das durchaus bewusst ist, dieses Verstecken von manchen Figuren, die vielleicht nicht wirklich zum sehr geschmeidigen, sehr bürgerlichen Auftritt von Olaf Scholz passen wird.

Da haben Recherche-Julian und Fakten-Hampelfrau Schink entweder so gar nicht aufgepasst und einfach nur ahnungslos irgendwas nachgeplappert. Oder sie wissen es eigentlich besser und erzählen bewusst etwas Falsches. Denn dass Saskia Esken, Norbert Walter-Borjans, Kevin Kühnert und Karl Lauterbach “einfach versteckt” werden, ist schlicht Blödsinn. Hier mal eine kleine Übersicht, nur aus dem bisher 14 Tage alten September:

Man kann die SPD und die Vertreter des linken Parteiflügels gern völlig daneben finden. Man sollte dann aber nicht irgendwelche Unwahrheiten über sie verbreiten.

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Offenlegung: Für unser Buch “Ohne Rücksicht auf Verluste” hat Kevin Kühnert das Nachwort geschrieben.

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