Suchergebnisse für �’

Googles Medienförderung, Visa-Kürzungen der USA, Inside xHamster

1. Wes Brot ich ess …
(taz.de, Daniél Kretschmar)
In einer Studie der Otto-Brenner-Stiftung geht es um Googles Zuwendungen an die Verlage. Mehr als 200 Millionen Euro soll der Internetkonzern in den vergangenen sieben Jahren an europäische Medienunternehmen ausgeschüttet haben. Die Untersuchung eröffne einen “seltenen Blick in ein völlig desolates Geschäftsfeld”, so “taz”-Autor Daniél Kretschmar: “Jahrzehnte sind vergangen, in denen Verlagshäuser einfach gebetet zu haben scheinen, dass dieses Internet wieder weggeht. Und jetzt, wo es schon lange zu spät ist, unterwirft man sich eben den Gewinnern der informationstechnischen Revolution und riskiert, wenn auch nicht unmittelbare Unabhängigkeit, so doch ein gutes Stück Glaubwürdigkeit zu verlieren.”
Weiterer Lesehinweis: Der Deutschlandfunk hat mit dem Studienautor sowie Medien- und Kommunikationswissenschaftler Ingo Dachwitz gesprochen, der als Redakteur bei netzpolitik.org beschäftigt ist: Warum Google Millionen an europäische Medien zahlt (deutschlandfunk.de, Michael Borgers, Audio: 6:08 Minuten).

2. NDR bedauert fehlenden Abstand bei “Anne Will”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Nachdem die Corona-Infektionen in Deutschland einen neue Höchstwert erreicht hatten, hieß es am Sonntag bei Anne Will im Ersten: “Hat Deutschland noch die richtige Strategie?” Nach der angeregten Diskussion, bei der es auch um Vorsichtsmaßnahmen ging, schien für einen kurzen Moment alles vergessen: Während der Abspann lief, war zu sehen, dass sich einige Gäste bedenklich nahekamen. Anne Will reagierte bei Twitter: “Wie blöd von mir. Dabei haben wir schon im Rausgehen wieder #maskeauf gehabt.”

3. Gegen Visa-Kürzung für Korrespondenten
(mmm.verdi.de)
Die USA wollen Visa für Auslandskorrespondenten auf die Dauer von maximal 240 Tagen begrenzen, mit der Möglichkeit einer lediglich einmaligen Verlängerung. Dagegen protestieren Medienverbände und Medienschaffende. Die Begrenzung erschwere eine kontinuierliche Berichterstattung, die Anmietung von Redaktionsräumen sowie den Aufbau von Informantenbeziehungen und persönlichem Arbeitsnetzwerk. Dem Appell hätten sich der Europäische Journalistenverband, der Internationale Journalistenverband, die Europäischen Rundfunkunion und 21 weitere Organisationen aus der ganzen Welt angeschlossen.

Bildblog unterstuetzen

4. Ranking: Die reichsten Verleger 2020
(kress.de, Markus Wiegand)
“kress” hat sich angeschaut, welche Verleger und Verlegerinnen in der Liste der reichsten Deutschen auftauchen, die die “Welt”-Redaktion angefertigt hat, und hat daraus eine eigene Liste erstellt. Interessanterweise fehlt Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner in dem Ranking, der nach “kress”-Angaben auf Platz sechs stehen müsste.

5. Auch nach Monaten ist exakte Corona-Sprache in Medien selten
(infosperber.ch, Urs P. Gasche)
Urs P. Gasche kritisiert die seiner Meinung nach immer noch unpräzise Sprache von Medien und Institutionen in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Gasche hat dabei besonders die Schweiz im Fokus, aber seine Kritik dürfte auch auf Österreich und Deutschland übertragbar sein: “Unpräzise, unsachliche und dramatisierende Begriffe und Grafiken kratzen an der Glaubwürdigkeit von Behörden und Medien, fördern Misstrauen unter der Bevölkerung und spielen Verschwörungsphantasierern in die Hände. Eine differenzierte und einordnende Information, die glaubwürdig bleibt, würde die Menschen auf Dauer mehr dazu motivieren, sich wo immer nötig zu schützen und Empfehlungen von Behörden zu folgen.”

6. Inside xHamster
(vice.com/de, Sebastian Meineck & Yannah Alfering)
Die Investigativ-Reporter von “Vice” haben hinter die Kulissen der in Deutschland erfolgreichsten Pornoseite geschaut: “Inside xHamster”. In ihrer Recherche decken sie auf, wie die Plattform möglicherweise illegale Inhalte massenhaft durchwinke, welche Bedenken ein “Porno-Löscharbeiter” habe, und wie wenig xHamster zum Schutz von Opfern tue.

Debattenräume, Klimaheft, Witze über Minderheiten

1. Was denkt Lisa Eckhart?
(taz.de, Anne Fromm)
In einem “Appell für freie Debattenräume” protestieren über 100 Menschen aus Kultur, Wissenschaft und Politik mit großem Pathos gegen angebliche Denk- und Sprechverbote. “taz”-Medienredakteurin Anne Fromm erklärt, worum es dabei geht und worin die Unterschiede zum US-amerikanischen “Letter on Justice and Open Debate” liegen. Fromm zeigt sich insbesondere erstaunt darüber, wie viele Journalisten den Appell unterschrieben haben: “Das sind alles Leute, die sehr wohl sehr viel sagen dürfen. Ständig und überall.”

2. Der STERN gestaltet gemeinsam mit Fridays for Future ein Klimaheft
(stern.de)
Den globalen Klimastreiktag am 25. September begleitend, produziert der “Stern” ein Heft gemeinsam mit den Klimaaktivistinnen und -aktivisten von Fridays for Future. Die Redaktion erhält dafür viel Lob, aber auch Kritik, zum Beispiel, dass sich guter Journalismus mit nichts gemein mache. “In eigener Sache” schreibt das Magazin über die Beweggründe für die Aktion und erklärt, wie die Zusammenarbeit abläuft.

3. Witze über Minderheiten: Dumm und aus der Zeit gefallen
(rnd.de, Matthias Schwarzer)
Vergangene Woche sorgte ein Podcast von Florian Schroeder und Serdar Somuncu für Entrüstung in den Sozialen Medien. Somuncu hatte sich darin auf eine ordinäre und menschenverachtende Weise in einen Rausch von Misogynie, Rassismus und Sexismus geredet (siehe die “6 vor 9” vom 16. September). In ihrer neuen Folge äußern sich die Protagonisten noch einmal zu dem Fall, machen es sich dabei jedoch zu leicht, wie Matthias Schwarzer findet: Die Kabarettisten “gehen offenbar davon aus, dass Somuncus inszenierte Hassrede vom Publikum schlichtweg nicht verstanden wurde, und deshalb den Proteststurm ausgelöst hat. War wohl einfach zu große Kunst, zu feinsinnig für die Masse – und am Ende hat man doch wieder allen den ganz großen Spiegel vorgehalten.”

Bildblog unterstuetzen

4. Liebe Boomer*innen, wieso seid Ihr eigentlich gegen das Gendern?
(meedia.de, Nicolas Wildschutz)
Nicolas Wildschutz spricht in seinem “Meedia”-Gastbeitrag all die Menschen an, die sich hartnäckig einer gendergerechten Sprache widersetzen: “Überlegt Euch einmal wirklich, wieso Ihr gegen das Gendern seid. Habt Ihr Euch genügend mit dem Thema beschäftigt? Wenn ja, überzeugen Euch die Argumente nicht oder reagiert Ihr aus Trotz?”

5. Dorothee Bär verlässt Ludwig-Erhard-Stiftung
(spiegel.de)
Aus Protest gegen eine sexistische Äußerung in einem Magazin des Publizisten Roland Tichy kündigt CSU-Politikerin Dorothee Bär ihre Mitgliedschaft in der Ludwig-Erhard-Stiftung, deren Vorsitzender eben jener Tichy ist. Dem “Handelsblatt” gegenüber sagte Bär (nur mit Abo lesbar): “Grund für diese Entscheidung ist eine Publikation in dem Magazin ‘Tichys Einblick’, die frauenverachtende und in höchstem Ausmaß sexistische Äußerungen gegenüber meiner Kollegin Sawsan Chebli enthält”.
Weiterer Lesehinweis: Auf Twitter kommentiert Linus Neumann: “Roland Tichy ist seit Juni 2014 Vorstandsvorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung. UND JETZT ERST treten Leute aus Protest aus.”

6. Titanic-Redaktionskonferenz, Folge 5
(titanic-magazin.de, Moritz Hürtgen & Torsten Gaitzsch, Audio: 57 Minuten)
Satiriker beobachten fortwährend das Zeitgeschehen, dementsprechend hoch ist ihr Medienkonsum. In der aktuellen Folge der “Titanic-Redaktionskonferenz” sprechen Torsten Gaitzsch und Moritz Hürtgen darüber, welche Medien sie verfolgen, was es mit den Austausch-Abos auf sich hat, und warum Journalisten und Journalistinnen anderer Redaktionen ihnen gelegentlich den Kaffee wegtrinken und ihre Toilette benutzen.

Hochgekochtes Satirevideo, Namensnennung, Kotzender Kühnert

1. Polizisten als Mörder: Wie “Bild” aus einer Satire einen ARD/ZDF-Skandal macht
(rnd.de, Imre Grimm)
Ein rund zweieinhalbminütiges Satire-Video beim öffentlich-rechtlichen Jugendportal Funk zum Thema Rassismus bei der Polizei lässt die Emotionen hochkochen. Imre Grimm hält das Filmchen nicht für besonders gelungen, aber daraus ein Generalversagen von ARD und ZDF abzuleiten, sei falsch: “Der Clip ist blöd und beleidigend. Ihn aber – wie mancher Zeuge der Anklage – als weiteren Baustein einer linksgrünmedialen Diffamierungskampagne gegen die Polizei zu brandmarken, schießt weit über das Ziel hinaus.”

2. RBB schafft Sommerinterview-Reihe ab
(sueddeutsche.de)
Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) kassierte wegen seines weitgehend unkritischen Sommerinterviews mit Brandenburgs früherem AfD-Chef Andreas Kalbitz viel Kritik. Nun stellt der Sender seine Sommerinterview-Reihe mit brandenburgischen Spitzenpolitikern ein.
Weiterer Lesehinweis: “Das Sommerinterview des RBB mit Andreas Kalbitz sorgte für einen Skandal. Nun hat der MDR den nächsten AfD-Rechtsaußen eingeladen: Björn Höcke. Und will alles besser machen.” Anne Hähnig und Martin Machowecz fragen in der “Zeit”: “Gehört er ins Fernsehen?”

3. Mit Verlaub: Ich kotze im Strahl.
(twitter.com, Kevin Kühnert)
Der SPD-Politiker Kevin Kühnert hat der Newsseite “Watson” ein Interview gegeben, aus dem sich die “Welt”-Redaktion einen Teilaspekt herausgepickt und zugespitzt hat (genauer: eine dpa-Überschrift weitergedreht hat). Entsprechend frustriert reagiert Kühnert auf Twitter: “Wenn der Versuch, differenzierte Antworten zu geben, in solch bewusstem Missverstehen mündet, dann braucht sich niemand wundern, dass Politiker*innen in Interviews nur Blabla von sich geben.” Kühnert weiter: “Diese ‘Zuspitzung’ ist leider auch ein erneutes Beispiel für das verbreitete Desinteresse an politischen Inhalten. Wer mit wem? Wer gegen wen? Welche Koalition hätten’s denn gern? Welches Ministerium wollen Sie führen? Das alles klickt sich leider besser als Steuern/Rente/Klima.”

Bildblog unterstuetzen

4. So geht die tagesschau mit der Nennung von Namen in Gerichtsprozessen um
(blog.tagesschau.de, Marcus Bornheim & Helge Fuhst & Juliane Leopold)
“Tagesschau” und “Tagesthemen” gelten als “Dokumente der Zeitgeschichte”, wodurch den Sendungen eine besondere Verantwortung in der Berichterstattung zukommt: Sie dürfen unbegrenzt online gestellt werden und bleiben unter Umständen Jahrzehnte sichtbar. Ein besonders sensibler Bereich ist die Nennung von Namen in Berichten über Gerichtsprozesse. Für den Verzicht auf Namensnennung kann der Schutz des Persönlichkeitsrechts sprechen, aber auch das Bestreben, sich von einem Angeklagten nicht instrumentalisieren zu lassen, wie ein aktueller Fall zeige. Die Chefredaktion von ARD-aktuell schreibt über das Spannungsfeld dieses Teilbereichs ihrer Arbeit.

5. Aktivisten wollen Facebooks Falschmeldungs-Spreader “bändigen”
(spiegel.de, Max Hoppenstedt)
Die Online-Bewegung Avaaz hat zahlreiche Facebook- und Webseiten untersucht, die falsche oder irreführende Informationen zu medizinischen Themen verbreiten. Avaaz fordert Facebook auf, nicht nur Warnhinweise, sondern auch Richtigstellungen zu veröffentlichen. Studienautor Christoph Schott dazu: “Facebook hat bis heute jenen Nutzerinnen und Nutzern keine spezifischen Korrekturen angezeigt, die die Falschinformation gesehen hatten, dass es als Covid-19-Test ausreiche, zehn Sekunden die Luft anzuhalten. Das ist schon grob fahrlässig aus unserer Sicht.”

6. Vom Newsroom zum Newszoom
(deutschlandfunk.de, Samira El Ouassil, Audio: 3:44 Minuten)
Coronabedingt sind derzeit viele Newsrooms verwaist. Wie kann unter diesen Bedingungen Journalismus gelingen? Können virtuelle Treffen das persönliche Gespräch ersetzen? Samira El Ouassil hat eine einfache Antwort: “Journalismus wird nicht an Orten gemacht, sondern von Menschen”. Außerdem erzählt sie die hübsche Anekdote, wie sie einmal in einem vollbesetzten Newsroom einen O-Ton vom Konsul von Georgien einholen wollte, aber jemanden aus den USA an der Strippe hatte …

Wenigstens werden diesmal keine Witwen geschüttelt

20 Millionen Euro soll der Axel-Springer-Verlag derzeit in den Versuch stecken, “Bild” auch als (Live-)Video-Plattform zu etablieren. Das kann schon aus rein inhaltlicher Sicht kein wohltätiges Projekt sein und das soll es sicher auch aus wirtschaftlicher Sicht nicht sein – Springer will mit “Bild TV” Geld verdienen.

Das soll vor allem durch Werbung reinkommen. Seit ein paar Wochen kann man beobachten, wie das beim “Bild”-Fernsehen aussieht: In der Fußball-Talk-Sendung “Reif ist live” mit Marcel Reif ist seit einigen Folgen auf ganz geschickte und natürliche Weise eine Produktplatzierung eingebunden. Nicht mit dem Holzhammer – das würde ja stören und kaum wirken -, sondern feinfühlig, wie man es von “Bild” gewohnt ist. Aber seht selbst:

In einem Prospekt (PDF) präsentiert der Springer-Vermarkter Media Impact die verschiedenen Möglichkeiten, mit denen Firmen in “Reif ist live” werben können. Auch dabei: “PRODUCT PLACEMENT”. Wie viel Müllermilch dafür bezahlt hat, dass der Chefredakteur des “Bild”-“Sport-Kompetenzcenters” Matthias Brügelmann die Flaschen schüttelt, als hätte er schon immer mal einen Sex on the Beach mit einem Augenzwinkern servieren wollen, oder der “Bild”-Sportchef Walter M. Straten verzweifelt nach Überleitungen sucht, die ihn nicht komplett wie einen Werbeheini aussehen lassen, erfährt man dort leider nicht.

Bildblog unterstuetzen

Aber kommt dieses Bauerntheater bei den “Bild”-Zuschauerinnen und -Zuschauern an? Lohnt sich das eifrige Werbeschütteln? Die Reaktionen unter den entsprechenden “Reif ist live”-Youtube-Videos lauten:

Wegen dieser beschissenen Werbung werde ich mir nie wieder auch nur 1 einzige Flasche Müller Milch kaufen.

Und auf einmal schüttelt er sich die müllermilch, ich Dreh ab

Dieses geschüttel während einer Fragestellung .. unmöglich

Reif Ehrenmann rührt Müllermilch nicht an

Ihr macht euch mit dieser Müllermilch lächerlich!!

Hahahaha der schüttelt die Müller Milch und legt sie wieder hin hahahah

Böse Zungen behaupten, der Bild-Sportmodertor geht nach jeder Talkshow erst einmal brechen.

Sorry, das ist so affig und zum Fremdschämen… geschüttelt, nicht gerührt. Wie fremdgesteuert muss hier geschüttelt werden… :-)

Also ich mochte Müller Milch aber jetzt würde ich das nicht mehr kaufen das nenne ich mal Werbung

Oh je ist das schlecht mit der Müllermilch, Leute lasst es einfach weg bitte und versucht nicht noch Werbeeinnahmen zu generieren.

Die Müller Milch Werbung ist einfach peinlich.

Diese unfassbar dumme Werbung ist soooooooooo peinlich und zum fremdschämen. Einfach nur lächerlich.

Diese Werbung nervt ungemein

Wie Horny die Müllermilch geschüttelt wird.

Verstehe ja, dass man Werbung macht um Geld zu verdienen aber das war schon sehr aufgesetzt und wirkte unangenehm unnatürlich.

Bild, einfach nur peinlich, wie immer !!! Warum hält er die Flasche nicht einfach debil grinsend direkt in die Kamera. Dann weiss auch der letzte wie seriöser Journalismus funktioniert !!

… wir könnten hier noch lange weitermachen.

Mit Dank an J. A. für den Hinweis!

Reichelt und Ronzheimer: “Bild” hat auch was richtig gemacht

“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt und seinen Stellvertreter Paul Ronzheimer muss man sich vorstellen wie zwei Typen, die vor der brennenden Hütte stehen, den Benzinkanister und das Feuerzeug noch in der Hand, und die später auf dem Polizeirevier groß rumtönen, dass sie fürs Löschen ja ihre zwei Flaschen Bier zur Verfügung gestellt haben.

Nachdem es in den Sozialen Medien deutliche Kritik an der “Bild live”-Sendung zu den rassistischen Morden in Hanau gab, antworteten Reichelt und Ronzheimer nicht etwa mit Einsicht, dass das alles ziemlich schlecht war, oder mit Verständnis dafür, dass das wilde Spekulieren und das Verbreiten von falschen Gerüchten vielen nicht passte. Stattdessen:

Screenshot eines Tweets von Bild-Chefredakteur Julian Reichelt - Frage von Twitter-User Shai: Was haben Sie für ein Verständnis  von Journalismus, Herr Reichelt? Das hier ist ein Armutszeugnis für ihre Bild-Berichterstattung und in Zeiten von Fake News brandgefährlich und verantwortungslos - Antwort Reichelt: Lieber Shai, dass der Täter rechtsextreme Motive hatte, war Stunden vor allen anderen eine exklusive Meldung bei Bild.

Screenshot eines Tweets des stellvertretenden Bild-Chefredakteurs Paul Ronzheimer - Bild war das erste Medium, das über den rechtsradikalen Hintergrund berichtet hat heute morgen.

Was soll das für ein Argument sein?

“Hier, schaut mal, ihr habt da richtig Mist gebaut.”
“Jaha, aber wir haben auch was richtig gemacht.”

Gleicht im “Bild”-Kosmos eine zutreffende Information die ganzen falschen Behauptungen von vorher aus? Denken Reichelt und Ronzheimer, dass die Gerüchte, die in der “Bild live”-Sendung verbreitet wurden, damit aus der Welt sind? Glauben sie wirklich, dass sie mit ihrer “exklusiven Meldung bei BILD” all jene erreichen, denen die “Bild”-Reporter zuvor noch erzählt haben, dass “Russen” hinter den Morden stecken dürften, oder dass das alles was mit dem “Drogenmilieu” oder “Schutzgeldzahlungen” zu tun haben könnte?

Oder sind das einfach nur billige Ausreden, um nicht um Entschuldigung bitten zu müssen? Wir haben schon häufiger darauf verwiesen und wollen es heute wieder tun: Julian Reichelt ist der Mann, der über sich selbst sagt:

Es fällt mir grundsätzlich leicht, mich zu entschuldigen, wenn wir Fehler gemacht haben.

Organisierte Kriminalität, bitte hier entlang!

Nach BILD-Informationen sollen die libanesischen Clans mit Hilfe von tschetschenischen Gruppen mehrfach versucht haben, Capital Bra aufzulauern und zu finden.

schrieb Bild.de im vergangenen November. Es gehe “um Millionen”, “die Polizei sieht eine konkrete Gefahr für den Rapper.” Die Überschrift des Artikels damals:

POLIZEI: RAPPER IN LEBENSGEFAHR
Kriminelle Clans bedrohen Capital Bra

Die “libanesischen Clans” und die “tschetschenischen Gruppen” hätten den erfolgreichen Musiker allerdings nicht finden können, schreibt Bild.de noch.

Das könnte sich jetzt ändern — dafür haben die “Bild”-Medien gesorgt:

Screenshot Bild.de - Rap-Star Capital Bra ist umgezogen - Versteckt er sich hier etwa vor den Clans?

Online und in der entsprechenden Regionalausgabe der gedruckten “Bild” verrät die Redaktion Capital Bras neuen Wohnsitz. Bild.de teasert:

Das ist mal ein “capitaler” Neuzugang!

Derzeit gibt ER in der deutschen Musikszene den Ton an wie kein Zweiter: Was Capital Bra (25) rappt, geht in den Charts auf Platz 1, seine Konzerte sind ausverkauft.

Wie BILD erfuhr, ist der Rap-Star umgezogen (…). Erfahren Sie mit BILDplus, wo und wie Capital Bra jetzt wohnt — und was die Gründe für sein Umzug sein könnten!

Die “Bild”-Medien nennen nicht nur das Bundesland und die Stadt; sie schreiben auch, welches Bundesamt direkt um die Ecke des Hauses liegt, in dem Capital Bra nun wohnen soll. Und damit man das dann auch wirklich findet, veröffentlichen sie noch ein Foto davon. Außerdem nennen sie den bürgerlichen Namen des Rappers, und Bild.de zeigt eine Aufnahme des Klingelschildes, auf dem der Nachname zu sehen ist.

Sollte sich Capital Bra dort tatsächlich “vor den Clans” verstecken, kann er sich dank “Bild” und Bild.de ein neues Versteck suchen.

Dazu auch:

Mit Dank an Olli D. für den Hinweis!

Bild.de liefert “Terror”-Futter für Islamhasser und rechte Hetzer

+++ Messermann erschossen! Polizei verhindert Terror-Anschlag in Gelsenkirchen! +++

… schreibt der AfD-Bundestagsabgeordnete Johannes Huber.

++ Angreifer erschossen: Islamistischer Terror-Anschlag vereitelt! ++

… schreibt die AfD-Fraktion, die im nordrhein-westfälischen Landtag sitzt.

+++ Islamistischer Terror? Bewaffneter greift Polizeiwache an, ruft “Allahu akbar” und wird erschossen! +++

… schreibt der AfD-Landesverband Hessen.

Islamisch motivierter Anschlag konnte vereitelt werden!

… schreibt Pierre Jung, Sprecher des AfD-Kreisverbandes Hamm.

Polizei verhindert Terror-Anschlag!

… schreibt Dimitri Schulz, der für die AfD im hessischen Landtag sitzt.

Sie alle beziehen sich in ihren Facebook-Posts auf einen Artikel, der gestern Abend bei Bild.de erschienen ist. Darin geht es um einen Vorfall in Gelsenkirchen: Ein Mann soll sich einer Polizeiwache genähert und dabei mit einem Gegenstand, wohl einem Stock, auf einen Streifenwagen geschlagen haben. Zwei Polizisten, die vor der Wache standen, sollen ihn aufgefordert haben, dies zu unterlassen und stehenzubleiben. Der Mann soll auf sie zugegangen sein und in der anderen Hand ein Messer getragen haben. Daraufhin soll einer der Polizisten den Mann erschossen haben.

Ob es sich dabei um einen “Terror-Anschlag” handelte, den die Polizisten vereitelten, ob es tatsächlich einen islamistischen Hintergrund gab, und ob der Mann wirklich “Allahu Akbar” rief — all das war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Bild.de-Beitrags alles andere als klar. Und dennoch titelte die Redaktion auf ihrer Startseite:

Screenshot Bild.de - Messer-Mann (37) erschossen - Polizei verhindert Terror-Anschlag in Gelsenkirchen

Sowas greifen die AfD-Abgeordneten, -Landesverbände und -Fraktionen genauso gern auf wie die Facebook-Gruppen “Unsere Heimat Deutschland”, “Deutschland – quo vadis”, “Frankfurt gegen Salafismus – Das Original”, “Patrioten des Vaterlands 5” und so weiter. Auch die NPD verbreitet den Bild.de-Artikel, der laut dem Analysetool CrowdTangle allein bei Facebook bisher mehr als 5000 Mal geteilt wurde.

Direkt zu Beginn ihres Textes schreiben die zwei “Bild”-Autoren Celal Çakar und Frank Schneider:

Die Polizei ist sich sicher: Diese feige Attacke war ein versuchter Terror-Anschlag auf Polizisten mitten in Deutschland!

Das ist gleich aus drei Gründen interessant: Erstens hat die Polizei nicht gesagt, dass sie “sicher” sei, dass es sich um einen “versuchten Terror-Anschlag auf Polizisten” handele. Der dpa sagte ein Sprecher, dass ein möglicher terroristischer Hintergrund Gegenstand der Ermittlungen sei. Und auch Zeugenaussagen, nach denen der Mann “Allahu Akbar” gerufen habe, und die erst die zwei “Bild”-Autoren ins Spiel brachten (“Zeugen schilderten BILD, der Mann habe stattdessen laut ‘Allahu Akbar’ (arabisch ‘Gott ist groß’) gerufen”), seien einem Polizeisprecher zufolge erstmal nur “Gerüchte”, die bislang nicht bestätigt seien.

Zweitens lautete dieser erste Satz des Bild.de-Artikels mal ziemlich anders. In einer früheren Version behaupteten Çakar und Schneider noch selbst, dass es sich um einen “Terroranschlag” handelt, und schoben nicht die Polizei als vermeintliche Quelle vor:

Die Polizei hat im Ruhrgebiet einen Terroranschlag verhindert!

Und drittens hat die Polizei inzwischen bekanntgegeben, dass sie nicht von einem terroristischen Hintergrund ausgehe.

Das ist inzwischen auch bei Bild.de angekommen. Die Überschrift hat die Redaktion klammheimlich geändert in:

Screenshot Bild.de - Messer-Mann (37) erschossen - Polizisten in Gelsenkirchen angegriffen

Und den ersten Satz genauso klammheimlich in:

Die Polizei ist sich sicher: Diese feige Attacke war ein versuchter Anschlag auf Polizisten mitten in Deutschland!

Einen Korrekturhinweis darauf, dass man mal etwas völlig anderes berichtet hat, gibt es nicht. Nur zur Erinnerung: Bild.de wird von einem Mann geleitet, der über sich selbst gern sagt, dass es ihm “grundsätzlich leicht” falle, “mich zu entschuldigen, wenn wir Fehler gemacht haben.”

Mit Dank an @MeiersKaettche für den Hinweis!

Bei “Bild” ein Pop-Star

Bei “Bild” und Bild.de stört es sie, wie Jens Söring, der wegen Doppelmordes in den USA rechtskräftig verurteilte wurde, obwohl an seiner Schuld erhebliche Zweifel bestanden und bestehen, nach seiner Freilassung und der Abschiebung in Deutschland empfangen wurde. Söring sei …

Screenshot Bild.de - Ein Mörder, kein Pop-Star!

Es ist ein verstörendes Signal: Ein in den USA rechtmäßig verurteilter Doppelmörder wird in Deutschland empfangen wie ein Popstar.

kommentiert “Bild”-Redakteur Philip Fabian. Und es scheint, als hätte Fabian in den vergangenen Tagen nicht allzu häufig ins eigene Blatt geschaut oder Bild.de besucht. Dort weist die Redaktion zwar bei jeder Gelegenheit darauf hin, dass es sich bei Söring um einen “Doppelmörder” handelt, ansonsten aber berichtet sie über den Mann wie sie sonst nur über (Pop-)Stars berichtet.

Die “Bild”-Medien folgen Jens Söring bei jedem Schritt und dokumentieren alles. Sörings “ANKUNFT AM FLUGHAFEN”:

Screenshot Bild.de - Sörings Ankunft am Flughafen Frankfurt - Er blickte dreimal in den Himmel - Hach Gott, ist das schön

Sörings Begrüßungskomitee:

Screenshot Bild.de - Zwölf Jahre Kampf für Sörings Freiheit - In inniger Umarmung mit einem Doppelmörder

Sörings Zukunftspläne:

Screenshot Bild.de - Nach 33 Jahren US-Haft kehrt der Doppelmörder zurück - Sörings Pläne für sein Leben in Deutschland

Sörings Klamotten:

Screenshot Bild.de - Jens Söring nach 33 Jahren Knast wieder in Deutschland - Im Jogginganzug lässt sich der Doppelmörder durch Hamburg fahren

Sörings Schuhe:

Screenshot Bild.de - Doppelmörder Söring in Frankfurt gelandet - 33 Jahre im Knast waren Schnürsenkel verboten - In weißen Sneakern in die Freiheit

In “Bild” gab es eine ganze Söring-Seite:

Ausriss Bild-Zeitung - Übersicht über eine komplette Seite mit verschiedenen Artikeln über Jens Söring

Und bei Bild.de einen Livestream von der Landung in Frankfurt am Main (“BILD LIVE BEI DER LANDUNG VON JENS SÖRING”).

Außerdem hat die Redaktion eine Liste erstellt mit Erfindungen und Ereignissen, die Söring durch seine “33 Jahre hinter Gittern” verpasst habe:

Screenshot Bild.de - 33 Jahre hinter Gittern - Was Jens Söring im Knast alles verpasst hat

Darunter so prägende Sachen wie Matthias Reims Song “Verdammt, ich lieb’ dich” oder “DSDS und Dieter Bohlen”. Und wirklich Wichtiges wie die Terroranschläge vom 11. September 2001, von denen man aber natürlich auch im Gefängnis etwas mitbekommen kann. Außerdem habe Söring verpasst, dass “Deutschland vier Mal Fußballweltmeister” wurde, was einfach nur Blödsinn ist, weil Jens Söring beim ersten Weltmeistertitel 1954 überhaupt noch nicht geboren war und beim zweiten 1974 noch nicht im Gefängnis saß*.

Am beklopptesten aber ist der Bild.de-Artikel über Sörings Flug nach Deutschland:

Screenshot Bild.de - Doppelmörder Söring im Flugzeug nach Deutschland - Western, Huhn, Orangensaft - danach schlief er ein

Der Text hält, was die Überschrift befürchten lässt:

Die Maschine rüttelt heftig, beim Durchqueren einer Schlechtwetterfront gibt es Turbulenzen. Passagier Söring bleibt inzwischen gelassen — und er hat das Entertainment-System entdeckt, eine Stewardess gab ihm zuvor Ohrenstöpsel.

Wenige Reihen weiter erreicht eine weitere Flugbegleiterin den Deutschen: “Huhn oder Pasta?”, wird er gefragt. Er bestellt Huhn. Dazu einen Becher Orangensaft. Dann noch einen — und ist dann wieder vertieft in das Unterhaltungssystem. Später schläft er ein — der Film läuft noch.

Mittlerweile ist der Flieger in Frankfurt gelandet. Zuvor gab es Frühstück: Croissants und Joghurt. Söring greift zu.

Solche Nichtigkeiten, zumal in dieser Fülle, berichten die “Bild”-Medien nicht mal über die größten Pop-Stars.

Mit Dank an Oliver H., Christian G., Markus T., @J_MkHk, @moejevski und @spokenxD für die Hinweise!

*Korrektur, 17:11 Uhr: Bei den vier Weltmeistertiteln haben wir Blödsinn erzählt: Bild.de meint die zwei WM-Titel für die deutschen Fußballer und die zwei WM-Titel für die deutschen Fußballerinnen, während Jens Söring im Gefängnis saß. Damit ist “Deutschland vier Mal Fußballweltmeister” richtig. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Bild  

“Bild” schickt Bodo Ramelow in einen erfundenen “Shitstorm”

Ein “Shitstorm” ist laut Duden ein “Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden Äußerungen einhergeht”.

Bei “Bild” haben sie hingegen eine leicht andere, eigenwillige Definition, und die geht in etwa so: Um einen “Shitstorm” handelt es sich, wenn auf einen Witz bei Twitter weit über 200 Personen mit “Gefällt mir” reagieren, mehr als 30 Personen ihn per Retweet verbreiten und zwölf Personen auf den Tweet antworten, wobei die Antworten vor allem mit einem Daumen nach oben, lachenden Gesichtern, vielen Herzchen und Aussagen wie “Sehr schön … danke dafür :-)” oder “Herrlich” versehen sein müssen. Oder anders: Wir finden Linken-Politiker und Ministerpräsident Bodo Ramelow blöd, also lasst uns ihm mal einen “Shitstorm” andichten:

Ausriss Bild-Zeitung - Was wollten Sie uns damit sagen, Herr Ramelow?

Shitstorm für MP Bodo Ramelow (Linke)!

Grund sei dieser “schräg formulierte Nachrichten-Mix des Politikers auf Twitter”:

Screenshot eines Tweets von Bodo Ramelow - Was die Woche passierte und die Welt bewegte: Betrunkener Waschbär fährt erster Klasse mit der DB bis Bremen - nur dadurch entkam er dem Erfurter Stadtjäger. Die Stadtmusikanten müssen ab sofort geändert werden und eine  Greta war die Zugbegleiterin.

Die Thüringen-Ausgabe der “Bild”-Zeitung schreibt über die Reaktionen:

Ein verärgerter User antwortete: “Bodo lass das, Witze kann nicht jeder, mach lieber ordentliche Politik!”

Andere fanden, dass sich der Beitrag wie ein Antrag auf Pensionierung lese, fragten beim MP sogar nach, ob er alkoholisiert gewesen sei.

… wobei die Sache mit der “Pensionierung” mit einem Zwinkern versehen ist. Ansonsten sehen die Antworten auf Ramelows Tweet so aus:








Das ist, neben aktuell 247 Mal “Gefällt mir” und 31 Retweets, der “Shitstorm”, den die “Bild”-Redaktion herbeifantasiert hat.

Dazu auch aus unserem Archiv:

Journalist des Jahres, Kein Recht auf Sendezeit, Datenleck der Like-Fabrik

1. Juan Moreno ist der Journalist des Jahres 2019
(mediummagazin.de)
Der vor allem durch die Causa Relotius bekannt gewordene freie Reporter Juan Moreno ist von einer rund 100-köpfigen Jury des “medium magazin” zum “Journalisten des Jahres” 2019 gewählt worden: “Moreno zeigte als Reporter die Hartnäckigkeit des gründlichen Rechercheurs und ehrlichen journalistischen Handwerkers. Zudem bewies er den Mut, für die Wahrheit persönlich viel aufs Spiel zu setzen, da ihm zunächst niemand glauben wollte. Die Folgen seiner Recherchen werden die Debatten über Qualitätsjournalismus weit über 2019 hinaus prägen.”

2. Ein Recht auf Sendezeit gibt es nicht
(deutschlandfunk.de, Arno Frank)
Zum Ende des Jahres wird gerne nachgezählt, wie oft welche Politikerinnen und Politiker bei den großen politischen Talkshows der Öffentlich-Rechtlichen zu sehen waren. Begleitet von der Kritik, dass manche Parteien beziehungsweise deren Vertreterinnen und Vertreter zu kurz gekommen seien, wenn man die Sitzverteilung im Bundestag als Maßstab heranziehe. Eine Kritik, die Arno Frank nicht nachvollziehen kann: “Die Auswahl der Gäste erfolgt nicht nach demokratischem Proporz, sondern nach redaktionellen Erwägungen. Jede Sendung ist der Versuch, eine ergiebige Gesprächsrunde zu orchestrieren.”

3. “Projekt Herkules”: Springer-Chef Döpfner lockt “Bild”-Mitarbeiter mit Turbo-Prämie zum Ausscheiden
(meedia.de, Gregory Lipinski)
Der Axel-Springer-Konzern will “die Kostenbasis durch strukturelle Anpassungen um insgesamt rund 50 Millionen Euro senken” und setzt vor allem beim Personal an. Möglichst viele “Bild”-Beschäftigte sollen mit Prämien dazu bewegt werden, freiwillig das Unternehmen zu verlassen. Eine Vorgehensweise, die man bei der “Welt” schon gewählt hatte.

4. Die Like-Fabrik
(sueddeutsche.de, Svea Eckert & Simon Hurtz & Sören Müller-Hansen & Vanessa Wormer)
“SZ”, NDR und WDR liegt eine Liste mit Links zu knapp 90.000 Social-Media-Präsenzen vor, die von gekauften Likes des Like-Lieferanten “Paidlikes” profitierten. Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum hatten die unzureichend geschützten Daten der Website entnommen und zugänglich gemacht. Obwohl aus ihnen nicht ersichtlich wird, wer den Likekauf beauftragt und bezahlt hat, ermöglicht die Recherche interessante Einblicke in das Geschäftsmodell mit den gekauften “Gefällt mir”-Angaben und Herzen.

5. Polizisten können zwei Tage lang nicht twittern
(netzpolitik.org, Marie Bröckling)
Auf Twitter wurden am Wochenende mehrere kleinere Polizei-Accounts zumindest zeitweise gesperrt. netzpolitik.org hat Ursachenforschung betrieben. Der Verdacht auf “Overblocking” liege nahe. Warum jedoch ausgerechnet die elf Polizei-Accounts betroffen waren, von denen die Sperrung bekannt wurde, sei unklar.

6. TikTok: Wir haben Videos von Polizeigewalt hochgeladen, dann wurden sie gelöscht
(vice.com, Sebastian Meineck)
Kritischer Journalismus ist auf TikTok anscheinend nicht erwünscht, so eine mögliche Erkenntnis aus einem Experiment der “Vice”-Redaktion. Die fünf testweise hochgeladenen Videoaufnahmen von Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Zivilbevölkerung seien entweder gelöscht oder in ihrer Reichweite gedrosselt worden.

Blättern:  1 ... 6 7 8 ... 27