Suchergebnisse für ‘"heute anonym"’

Bild  

Heute anonym XXVI

Immer wieder faszinierend, wie die „Bild“-Zeitung selbst bei den simpelsten Anonymisierungsversuchen scheitert.

Die Bremer „Bild“-Ausgabe berichtet heute über einen Mann, der in U-Haft sitzt, weil er sein eigenes Geschäft angezündet haben soll. Bebildert ist der Artikel so:


(Verpixelung von uns, schwarzer Balken von „Bild“.)

Auf den ersten Blick ganz okay, doch was Sie durch unsere Verpixelung nicht sehen: „Bild“ hat es tatsächlich geschafft, den Balken haargenau über die Augenbrauen des Mannes zu setzen, sodass er nicht die Augen bedeckt, sondern die Stirn.

Mit Dank an @Hasi_Goreng und @SteffiinneSonne.

Heute anonym: Claudia D.

Das Verhältnis zwischen Jörg Kachelmann und der Axel Springer AG ist so nachhaltig gestört, dass es schwer fällt, sich bei diesen Sätzen keine feixenden „Bild“-Redakteure vorzustellen:

Schlappe für den ehemaligen ARD-Wettermoderator Jörg Kachelmann (54): Seine Ex-Geliebte Claudia D. (39) ließ die Auslieferung seines neu erschienenen Buches vom Landgericht Mannheim verbieten.

Eine Begründung lieferte Bild.de gestern gleich mit:

Per einstweiliger Verfügung ist es Kachelmanns Verlag untersagt, das Buch „Recht und Gerechtigkeit – Ein Märchen aus der Provinz“ weiter zu verbreiten, so lange die Ex-Geliebte darin mit vollem Namen genannt wird. Das teilten Kachelmanns Anwälte am Mittwoch in Schwetzingen mit.

In der Begründung heißt es, in Kachelmanns Buch würde das „allgemeine Persönlichkeitsrecht“ der Ex-Geliebten verletzt.​ Für jeden Fall der Zuwiderhandlung droht ein Ordnungsgeld von bis zu 250 000 Euro.​

Kachelmanns Anwälte hätten in dieser Sache gar nichts mitgeteilt, erklärte uns Kachelmanns Medienanwalt Ralf Höcker auf Anfrage.

Der Halbsatz „so lange die Ex-Geliebte darin mit vollem Namen genannt wird“ fehlt heute in der gedruckten „Bild“, aber beide Texte, die über die Persönlichkeitsrechtsverletzungen gegenüber der Frau berichten, sind mit einem Foto der Frau illustriert.

Allerdings müssen „Bild“ und Bild.de nicht gerade fürchten, nun wegen Verletzung der allgemeinen Persönlichkeitsrechte von Claudia D. zur Rechenschaft gezogen zu werden: Im Juni 2011 erschien in der „Bunten“ ein großes Porträt inkl. Interview mit ihr, das mit Bildern illustriert ist, auf denen sie sich „für BUNTE fotografieren ließ“, wie die Zeitschrift anmerkte.

Im Herbst 2011 erschien in der Zeitschrift „Emma“ (von „Bild“-Gerichtsreportagepraktikantin Alice Schwarzer) und auf emma.de ein Interview mit ihrem Therapeuten und Traumatologen Günter H. Seidler, in dem sogar der volle Name von Claudia D. genannt wird.

Gegen diese Art der Berichterstattung ist Frau D. offensichtlich nicht vorgegangen, sie hat sie sogar forciert, wie Kachelmanns Anwalt Höcker meint:

Frau D. muss ihrem Therapeuten für dessen EMMA-Interview von seiner ärztlichen Verschwiegenheitspflicht entbunden haben. Außerdem muss sie selbst über ihren Anwalt die Presse darüber informiert haben, dass derzeit vor dem LG Frankfurt ein Schadensersatzprozess Kachelmanns gegen sie läuft. Von unserer Seite ging zu dem Thema gar keine Stellungnahme heraus. Frau D. selbst hält also die Berichterstattung am Köcheln.

Mit Dank auch an Mareike H., Mikroblume und Barbara.

Nachtrag, 15.25 Uhr: Auch „Spiegel Online“ berichtet über die Einstweilige Verfügung und verlinkt dabei auf eine Pressemitteilung des Landgerichts Mannheim, in der es unter anderem heißt:

Des weiteren habe sich die Antragstellerin durch die von ihr gegebenen Interviews nicht ihrer Rechte begeben, da diese anonymisiert verbreitet worden seien. Auch die im Einzelfall erfolgte bildliche Darstellung der Antragstellerin erfordere keine abweichende Entscheidung, da die Antragstellerin damit nur für ihr nächstes Umfeld identifizierbar sei.

Die Namensnennung in „Emma“ scheint am Gericht vorbeigegangen zu sein.

2. Nachtrag, 12. Oktober: Wird immer verwirrender: Die Onlineversion des „Emma“-Artikels ist auf emma.de verschwunden. Vor zwei Wochen war der Text dort noch verfügbar. Wir haben gestern bei der „Emma“-Redaktion angefragt, aus welchen Gründen der Artikel offline genommen wurde, haben bisher aber keine Antwort erhalten.

Heute anonym XXV

Die These, dass die Anonymisierungsversuche bei Bild.de irgendeiner (wenn auch sehr speziellen) Logik folgen könnten, haben wir schon vor einigen Jahren verworfen.

Und doch überrascht die Seite immer wieder mit neuen, kreativen Spielarten:

Ja: Die haben wirklich verschiedene Startseiten-Teaser gebaut, auf denen jeweils rechts ein anonymisiertes Foto aus dem Gerichtssaal zu sehen ist und links eine unbearbeitete Porträtaufnahme des Angeklagten.

Eine Art Erklärungsversuch hätten wir dann aber doch noch: Die aktuellen Fotos aus dem Gerichtssaal kamen bereits verpixelt von den Agenturen — das ältere Bild des Angeklagten liegt Bild.de jedoch offenbar unbearbeitet vor.

Mit Dank an Dirk T.

Heute anonym XXIV

Letzte Woche konnte Bild.de vor Selbstbewusstsein kaum laufen:

BILD.de pixelt da, wo Google es versäumt hat: Das sind die Patzer bei Street View! Bild.de verpixelt

Aber das war wie gesagt letzte Woche. Diese Woche hingegen ist wieder Normalität eingekehrt:

Dieses Autohaus in Oderwitz gehört der Familie. Birgit K. ist Geschäftsführerin

Ja: Unter jeder dieser gelben Fläche stand der ausgeschriebene Name.

Mit Dank an Thomas W., Andre S. und die vielen anderen Hinweisgeber.

neu  

Heute anonym XXIII

Es ist nicht so, dass sich die „Bild“-Zeitung um sonderlich große Objektivität bemüht hätte, als sie gestern über den Gerichtsprozess eines Mannes berichtet, der im März 2008 mit einem Schulbus wegen defekter Bremsen einen Unfall verursachte, bei dem 14 Kinder z.T. schwer verletzt wurden.

Der „Bild“-Artikel über den „Schulbus-Horror“ im „Horror-Bus“ beginnt mit den Worten:

Ihr hübsches Gesicht ist für immer entstellt: Melissa R. (14) saß im Horror-Bus von Friedersreuth!

Weiter heißt es:

Beim Prozess gestern in Weiden sah sie zum ersten Mal den Mann wieder, der sie und 13 Mitschüler ins Verderben fuhr:

(…) Doch vor Gericht redete er sich raus: „Von defekten Bremsen hab ich nix gemerkt, da brannte nie ein Licht. Für die Kinder tut es mir leid.“

Das hilft Melissa nichts mehr: Mit Salben verdeckt sie notdürftig ihre Narben. Zu BILD sagte sie: „Die Wunden tun noch immer weh. Ich verstehe nicht, wie man mit kaputten Bremsen fahren kann.“

„Bild“ nennt den Angeklagten „Senior-Chef“ des Bus-Unternehmens, kürzt seinen Namen jedoch als „Anton M.“ ab und macht auch sein Gesicht mit einem schwarzen Balken halbwegs unkenntlich…

… um dann aber direkt daneben ein Foto des verunglückten Busses zu zeigen, auf dem in großen Lettern der komplette Name des Bus-Unternehmers nebst Ort und Telefonnummer steht.

Wer „Bild“-Leser kennt, weiß, dass das keine gute Idee ist.

P.S.: Auch Bild.de zeigte gestern das Busfoto mit Namen und Telefonnummer ohne jede Unkenntlichmachung. Erst nachdem wir die Bild.de-Redaktion auf den mangelhaften Schutz der Identität des Mannes aufmerksam gemacht und um Stellungnahme gebeten hatten, wurde die Busbeschriftung nachträglich verpixelt. Eine Antwort erhielten wir (wir kennen das) nicht.

Mit Dank an Marcus F. für den sachdienlichen Hinweis sowie an Birgit S. und Nicole K. für den Scan!

Heute anonym XXII

Soweit wir das überblicken, nennen ausnahmslos alle Medien, die heute über das Urteil gegen den sogenannten Münchner „U-Bahn-Schubser“ berichten, ihn entweder Ludwig D., Ludwig Joachim D. oder lassen seinen Namen gleich ganz weg.

Auch Bild.de nennt ihn Ludwig Joachim D., verfuhr allerdings mal wieder nach dem, insbesondere bei Anonymisierungen, äußerst fragwürdigen Prinzip „einmal ist keinmal“ und nannte* seinen vollen Nachnamen:

*) Nachdem wir Bild.de auf den offenbar mangelhaften Schutz der Identität des Mannes aufmerksam gemacht und um Stellungnahme gebeten hatten, erhielten wir (wir kennen das) zwar keine Antwort, aber: Inzwischen heißt der Mann an der fraglichen Stelle nur noch „D.“

Mit Dank an Philipp E., Marcus F., Carsten F., Tobi, Tronx und Rüdiger T. für den sachdienlichen Hinweis.

Heute anonym XXI

Unter der Überschrift „13-Jährige ins Auto gezerrt – Wollte Michelles Mörder auch dieses Mädchen holen?“ berichtet „Bild“ heute groß und detailliert über ein Mädchen aus Leipzig und zeigt auch ein Foto. „Bild“ hat darauf das Gesicht des Mädchens durch Verpixelung unkenntlich gemacht und nennt es:

Peggy (Name geändert)

Bild.de wiederum hat den „Bild“-Artikel übernommen und das Gesicht noch vehementer anonymisiert. Es scheint also, als hätten sich „Bild“ und Bild.de in diesem Fall tatsächlich Mühe gegeben, die Identität des Mädchens zu schützen…

…wenn man mal davon absieht, dass sich bis in den Nachmittag hinein auf verschiedenen Bild.de-Übersichtsseiten Teaser fanden, in denen „Peggy (Name geändert)“ einen ganz anderen Namen trug*:

*) Ob es sich bei dem Namen im Teaser um „Peggys“ richtigen Namen handelte, wissen wir nicht. Vermutlich ja. Denn nachdem wir Bild.de auf den mutmaßlich mangelhaften Schutz der Identität des Mädchens aufmerksam gemacht und um Stellungnahme gebeten hatten, erhielten wir (wir kennen das) zwar keine Antwort, aber: Inzwischen heißt das Mädchen auch in den Teasern „Peggy“.

Mit Dank an Nils H. und Sebastian F.

neu  

Heute anonym XX

Seit gestern berichtet „Bild“ in großer Aufmachung über „Berlins schlimmsten Schulschwänzer“. Sie hat immerhin seinen Namen geändert und nennt den Jungen:

Taran N.*
*Name geändert.

Die „Bild“-Leute haben sogar daran gedacht, auf dem Zeugnis von „Taran“, das sie heute zeigen, den richtigen Namen und seinen Geburtstag zu schwärzen. Sie haben nur übersehen, dass der richtige Vorname auch im Text zweimal genannt wird, wo man ihn mit ein bisschen Mühe ganz gut entziffern kann.

Komisch. Manche Dinge passieren „Bild“ wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder.

Mit Dank an Heiko F., Christian K., Kai D., Marlon K., Thomas und Daniel J.!

Heute anonym XIX

  • Finden Sie eigentlich, dass die Medien das Persönlichkeitsrecht von Angeklagten achten sollten?
  • Oder ist es Ihnen eher egal, wenn über einen mutmaßlichen Straftäter, der zur Tatzeit noch minderjährig war, mit Foto und ohne Unkenntlichmachung berichtet wird?

Bei Bild.de hat man gestern Abend unter einem Text über die beiden mutmaßlichen „U-Bahn-Schläger“ Serkan A. und Spyridon L. eine Lösung gefunden, beide Leser-Typen zufrieden zu stellen, wie dieser Screenshot zeigt:

Mit Dank an Boris H. auch für den Screenshot.

Allgemein  

Heute anonym XVII

Es ist kein schöner Artikel, den die „Bild“-Reporter Oliver Löhr und Christian Stenzel da an Pfingsten geschrieben haben, nachdem auf einer Flugschau in Eisenach ein Pilot mit seinem Flugzeug aus bislang ungeklärter Ursache beim Start von der Bahn abgekommen war und mehrere Menschen z.T. tödlich verletzt hatte.

„Großes Unverständnis“

Opferjurist Thomas Kämmer (…): „Die Situation des Piloten ist in keiner Weise mit dem unermesslichen Leid der Angehörigen vergleichbar, weshalb der Brief auf großes Unverständnis stößt.“

Ingrid O. (14) überlebte das Unglück. Sie ist die Zwillingsschwester der getöteten Lisa: „Ich verstehe gar nicht, was der will. Der hat meine Schwester in den Tod geflogen.“

Auf Bild.de zitieren die „Bild“-Reporter Hinterbliebene und einen sie betreuenden Juristen (siehe Kasten), wie sie sich über einen Brief äußern, den der Pilot an die Angehörigen geschrieben habe — „hastig auf weißem Krankenhauspapier“.

Nun wissen wir nicht, ob der schwer verletzte Mann (die „Bild“-Reporter nennen ihn „Todespilot“ und anonymisiert „Jan L.“) seinen Brief tatsächlich „hastig“ geschrieben hat. „Hastig“ war man wohl eher bei Bild.de, wo am Ende des veröffentlichten Briefes von „Jan L.“ sein vollständiger Name zu lesen ist:

Mit Dank an Robert und die anderen Hinweisgeber.

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