Bundesminister für Hin und Her, „Krawallnacht“, Drosten und „Bild“

1. Bundesminister der Verzögerung, für Hin und Her
(spiegel.de, Florian Gathmann & Wolf Wiedmann-Schmidt)
Am Wochenende kündigte Bundesinnenminister Horst Seehofer an, Strafanzeige gegen eine „taz“-Autorin stellen zu wollen, allein es kam bislang nicht dazu. Der angebliche Grund: ein voller Terminkalender … Eine Begründung, die Seehofer nicht jeder abnimmt: „In Wahrheit dürfte er nur noch nach dem Weg suchen, möglichst gesichtswahrend aus der Sache wieder herauszukommen. Und es ist auch denkbar bei dem alten Politik-Spieler Seehofer, dass es ihm einfach einen Heidenspaß bereitet, die Öffentlichkeit so lange warten zu lassen.“
Weiterer Lesehinweis: Der differenzierte Kommentar des Kriminologen Thomas Feltes zur Arbeit der Polizei und dem sich dort auftuenden Spannungsfeld: Verfolgte Grundrechtsträger? Was passiert im Moment mit und in unserer Polizei? (verfassungsblog.de).

2. Stuttgart steht noch
(kontextwochenzeitung.de, Johanna Henkel-Waidhofer)
Johanna Henkel-Waidhofer kritisiert die Berichterstattung rund um die „Krawallnacht“ von Stuttgart. Diese habe bundesweit eine mediale Realität erzeugt, die von der Wirklichkeit weit entfernt sei: „Statt einzuordnen hat in der Medienberichterstattung aber vor allem die Übertreibung Konjunktur, seit in der Nacht zum Sonntag die ersten Mitschnitte die sozialen und die ersten Meldungen die klassischen Medien eroberten.“

3. „Das sind die nicht endenden, unterstellenden und aggressiven Anfragen der Bild-Zeitung.“
(twitter.com, Christian Drosten)
Am Dienstag erschien die vorerst letzte Ausgabe des „Coronavirus-Update“ mit dem Virologen Christian Drosten: Der Podcast befindet sich im Juli und August in der Sommerpause. Auf Twitter wurde Drosten von einem Hörer angesprochen: „In Folge 50 klangen Sie für meine Ohren erstmals erschöpft und auch auf eine neue Art ‚dünnhäutig‘. Ich kann das so sehr nachvollziehen und gönne Ihnen die Podcast Pause sehr. Hoffentlich können Sie Akkus aufladen.“ Drosten antwortete darauf: „Das sind die nicht endenden, unterstellenden und aggressiven Anfragen der Bild-Zeitung. Fast jeden Tag kostet das mich, die Pressestelle der Charité, sowie zwei Medienanwälte Stunden unserer Arbeitszeit. Seit über einem Monat geht das so.“

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4. Was Tiktok zeigt – und was nicht
(faz.net, Caroline Jebens)
Caroline Jebens weist auf das widersprüchliche Verhalten von Tiktok hin. Die chinesische App sei eine wichtige Plattform der „Black Lives Matter“-Proteste in den USA geworden, Clips zu den Demonstrationen in Hongkong würden jedoch zensiert.

5. Streit zwischen Storymachine und PR-Rat geht weiter
(meedia.de, Stefan Winterbauer)
„Unprofessionell und leichtfertig“: Wegen der PR-Arbeit für die Heinsberg-Studie des Bonner Professors Hendrik Streeck hatte die Agentur „Storymachine“ eine Rüge des Deutschen PR-Rats kassiert. Nun hat die Agentur einen Medienrechtler losgeschickt, der dem Vorsitzenden des Trägervereins eine Interview-Aussage untersagen will. Die übersandte Unterlassungserklärung wolle dieser jedoch nicht unterzeichnen. Stefan Winterbauer kommentiert: „Freunde werden Storymachine und der PR-Rat in diesem Leben vermutlich nicht mehr.“

6. Umworbene Journalisten: PR für Urlaubsland Türkei
(spiegel.de, Oliver Mayer-Rüth, Video: 3:03 Minuten)
Das türkische Tourismusministerium hat 40 internationale Journalistinnen und Journalisten nach Antalya eingeladen, um Werbung für das Urlaubsland zu machen. Als das ARD-Team auf der Pressekonferenz mit dem zuständigen Minister allzu forsch nachfragte, kippte die schöne Urlaubs-Stimmung: „Skeptische Touristen, kritische Journalisten. Kein einfacher Job für die Minister. Es könnte trotz der Kampagne ein trauriges Jahr für den Tourismus in der Türkei werden.“
Weiterer Lesehinweis: Peter Steudtner zu Türkei: „Trage die Haft in meinem Gefühlsrucksack mit mir herum“ (rnd.de, Markus Decker).