Troll vom Tegernsee, Doktorspiele der Sexologin, Politkrimi um Assange

1. NDR erstattet Strafanzeige
(tagesschau.de, John Goetz & Antonius Kempmann & Elena Kuch & Reiko Pinkert & Martin Kaul)
Wie sich herausstellt, wurde der WikiLeaks-Gründer Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London umfangreich und systematisch ausgespäht und abgehört. Mit im Visier: Alle seine Kontakte, Besucherinnen und Besucher, zu denen auch deutsche Journalisten gehörten. Unter den mutmaßlich betroffenen Journalisten sollen sich auch drei Mitarbeiter des Norddeutschen Rundfunks befinden. Der NDR hat deshalb Strafanzeige erstattet. Nach Lektüre des Beitrags fühlt man sich an einen Politkrimi erinnert.

2. So links ist das Publikum von „Tagesschau“ und „heute“ wirklich
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Bedient der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland tatsächlich bevorzugt ein linkes Publikum, wie in zahlreichen Medien unter Bezug auf eine Studie zu lesen war? Nein, sagt Medienjournalist Stefan Niggemeier. Es handele sich um eine Fehlannahme, die wahrscheinlich auf die Fehlinterpretation einer Grafik zurück zu führen sei.

3. Der Troll vom Tegernsee
(taz.de, Juri Sternburg)
Juri Sternburg beschäftigt sich mit der Vorgehensweise des „Welt“-Kolumnisten und „barocken Landschaftsgärtners der rechten Ideologien“ Don Alphonso. Aufschlussreich sei auch das Verhalten des „Welt“-Chefs Ulf Poschardt, der bei Deutschlandfunk Kultur die Alphonso-Kritiker in einem Atemzug mit Despoten und faschistoiden Hetzern genannt habe. Sternburg kommentiert: „Deutschland und Springer 2019 bedeutet eben immer noch: Wer Hetzer kritisiert, wird selbst zu einem gemacht. Wer rechte Menschenfeinde bekämpfen möchte, dem werden die angeblich gleichen Methoden vorgeworfen. Und wer sich in seinem Blatt einen Rainer Meyer leistet, um vermeintlich die Meinungsfreiheit zu schützen, der ist mitverantwortlich für die für viele offenbar immer noch unvorstellbaren Auswüchse dieser Politik.“

4. Sportressort dicht, Textkorrektur automatisiert: Wie Springer die „Welt“-Gruppe weiter umbaut
(meedia.de, Gregory Lipinski)
Der Axel-Springer-Konzern steht vor einer gewaltigen Schrumpfungskur, zumindest im Bereich „News Media National“. Dort sollen 50 Millionen Euro eingespart werden. Allein der „Welt“-Gruppe werden voraussichtlich rund fünf Millionen Euro entzogen, was erhebliche Auswirkungen für Blatt und Onlineauftritt haben dürfte: Manche Ressorts werden zur Kostensenkung zusammengelegt, manche, wie das Sportressort, ganz dichtgemacht. Und bei der Textkorrektur soll zukünftig nur noch auf Maschinenintelligenz gesetzt werden.

5. Nach Kritik: Twitter ändert Pläne, Accounts zu löschen
(heise.de, Eva-Maria Weiß)
Als Twitter unlängst ankündigte, inaktive Konten löschen und anderweitig vergeben zu wollen, regte sich vielfältiger Protest. Eine besonders häufig geäußerte Kritik betraf das damit einhergehende Verschwinden der Konten von Verstorbenen. Nun wolle Twitter seine Pläne ändern.

6. Die Sexologin und ihr Doktorspielchen
(infosperber.ch, Beni Frenkel)
Die bekannteste Sexpsychologin der Schweiz Dania Schiftan ist mit ihren Sextipps als gefragte Inhaltelieferantin in Zeitungen, Radio und Fernsehen anzutreffen. Sie schmückt sich mit einem Doktortitel, den sie an der „American Academy of Clinical Sexology“ erworben habe. Beni Frenkel hat sich das Institut genauer angeschaut: „An dieser Universität im sonnigen Florida dauert der Doktortitel nicht so lange, sondern nur 60 Semesterstunden. Durchschnittlich findet an der Uni nur an zwei Tagen im Monat Vorlesungen statt. Jedes Jahr finden fast immer die genau gleichen Vorträge statt. Wie umfangreich eine Doktorarbeit sein muss, sucht man auf der Homepage der Uni vergeblich, dafür eine skurril anmutende Bedingung: «Die Buchstaben auf Buchdeckel- und -rücken müssen in Gold sein.»“